Mittwoch, 27. Juli 2016

Die Tage 0 und 1

Dienstag, 26.07.2016
Hamburg Airport, Terminal 1, Gate C02. Es ist 20:22 Uhr; in einer halben Stunde wird das Boarding bereits begonnen haben.
Ich mach schnell ein Bild!“ - „Jana, lass.“
Von hier wird mich eine Emirates-Maschine nach Dubai bringen, meinen einzigen Zwischenstopp auf dem Weg nach Kapstadt, Südafrika. In rund 22 Stunden werde ich hoffentlich in der Station Road angekommen sein, Nummer 152, meiner Unterkunft für die nächsten vier Monate.
Papa, glaubst du mir? Glaubst du mir?“
Ungefähr sieben internationale Bewohnerinnen und Bewohner sind schon da, ich werde die letzte Neuankunft sein.
Es werden die Passagiere Bischof, Lang und Tournier dringend ans Gate 21 gebeten.“
Vier Monate Kapstadt, die hoffentlich angenehmer werden, sehr viel angenehmer, als die Vorbereitungen in dem halben Jahr davor.
Nein! Mama sagt doch nein! Kriegst du Ärger. Kriegst du Ärger mit der Polizei, guck, die ist doch da.“
Toi toi toi.
 

Mittwoch, 27.07.16
Ich bin in Dubai angekommen. Der Flug verlief problemlos, ich habe „Where to Invade Next“ angeschaut und probiert, ein bisschen zu dösen, letzteres eher erfolglos. Vom Flugzeug zum Terminal sind wir lange Bus gefahren, draußen waren es 32 Grad um kurz vor sechs Uhr Ortszeit. Die Sonne war schon zu sehen, ein fahlgelber Ball im Morgendunst der Vereinigten Arabischen Emirate. Nach der Busfahrt sofort Security, einer der Taschenkontrolleure trug ein langes weißes Araber-Gewand. In der Schlange auf der Männertoilette habe ich mich erstmals sehr weiß gefühlt. Gerade wollte ich mir mit einem Fünf-Euro-Schein eine Flasche Wasser kaufen; ich hatte vorher nachgefragt, mit Euro könne man hier zahlen. Die 3,50 EUR Wechselgeld hatte der Kassierer jedoch nicht, wollte mir lokales Geld zurückgeben. Als ich darüber nicht zu allzu glücklich war, hat er mir das Wasser geschenkt.

7030 km seit Dubai, noch 630 km bzw. eine Stunde bis Kapstadt, wir sollen um 16:27 Uhr angekommen. Emirates sind sehr gut. Das Essen war lecker und genügend; auch das Medienangebot ist erste Klasse, ich habe „The Revenant“ geguckt und zwei, drei Podcasts gehört. (Süd-)Afrika von oben ist bisher sehr braun und karg mit vereinzelten sehr langen geraden Straßen. Ich habe das Gefühl für Zeit verloren, gestern und heute sind mangels Schlaf eine lange Kombination. Aber in sechs Minuten ist es Zeit für das muslimische Asr-Gebet, so viel weiß ich dank dem Bildschirm (und wo Mekka ist auch, nämlich 6000 km hinter uns). Der Schlafmangel wird außerdem daran deutlich, dass ich mich eben gefragt habe, ob es nicht kürzer wäre, anstatt über Dubai über den Nordpol zu fliegen. Langsam werde ich ein klein wenig nervös, hoffentlich sind sowohl mein Gepäck als auch mein Taxi gleich da.

Die Immigrations-Dame war sehr freundlich, das Gepäck war da, der Taxifahrer kam mit leichter Verspätung, war dann aber sehr nett und redselig. In meinem neuen Zuhause (152 Station Road, Observatory) wurde ich von Ine empfangen, meiner Mitbewohnerin aus Norwegen. Wir haben zwei Häuser, die über einen Garten miteinander verbunden sind; in den Häusern leben je drei Personen. Bei mir wohnt neben Ine noch Angélique aus der Schweiz (Mutter aus dem Kongo); nebenan wohnen Helen (England), Rachel (USA) und Sandro (Schweiz), letzterer mir bisher noch unbekannt. Mit den Mädchen bin ich später zum Abendessen in ein mexikanisches Restaurant gegangen. Alle scheinen sehr nett zu sein, von der Mitbewohnerinnen-Seite her verspricht es unkompliziert und angenehm zu werden. Die Wohnung selbst ist kalt, eine Heizung gibt es nicht, und klamm, alles ist irgendwie feucht, ansonsten aber schön. Kurios außerdem, dass wir Elektrizität im Supermarkt kaufen müssen bzw. einen Code zum Freischalten einer bestimmten Elektrizitäts-Kapazität. Mein Zimmer habe ich schon eingerichtet mit dem, was ich so mitgebracht habe. Um sieben ist es draußen zappenduster, daher (und aufgrund des langen Doppeltages) fühlt es sich seit Stunden wie mitten in der Nacht an. Auf dass die erste Nacht in Südafrika eine erholsame werde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen