Dienstag,
26.07.2016
Hamburg
Airport, Terminal 1, Gate C02. Es ist 20:22 Uhr; in einer halben
Stunde wird das Boarding bereits begonnen haben.
„Ich
mach schnell ein Bild!“ - „Jana, lass.“
Von
hier wird mich eine Emirates-Maschine nach Dubai bringen, meinen
einzigen Zwischenstopp auf dem Weg nach Kapstadt, Südafrika. In rund
22 Stunden werde ich hoffentlich in der Station Road angekommen sein,
Nummer 152, meiner Unterkunft für die nächsten vier Monate.
„Papa,
glaubst du mir? Glaubst du mir?“
Ungefähr
sieben internationale Bewohnerinnen und Bewohner sind schon da, ich
werde die letzte Neuankunft sein.
„Es
werden die Passagiere Bischof, Lang und Tournier dringend ans Gate 21
gebeten.“
Vier
Monate Kapstadt, die hoffentlich angenehmer werden, sehr viel
angenehmer, als die Vorbereitungen in dem halben Jahr davor.
„Nein!
Mama sagt doch nein! Kriegst du Ärger. Kriegst du Ärger mit der
Polizei, guck, die ist doch da.“
Mittwoch,
27.07.16
Ich
bin in Dubai angekommen. Der Flug verlief problemlos, ich habe „Where to
Invade Next“ angeschaut und probiert, ein bisschen zu dösen,
letzteres eher erfolglos. Vom Flugzeug zum Terminal sind wir lange
Bus gefahren, draußen waren es 32 Grad um kurz vor sechs Uhr
Ortszeit. Die Sonne war schon zu sehen, ein fahlgelber Ball im
Morgendunst der Vereinigten Arabischen Emirate. Nach der Busfahrt
sofort Security, einer der Taschenkontrolleure trug ein langes weißes
Araber-Gewand. In der Schlange auf der Männertoilette habe ich mich
erstmals sehr weiß gefühlt. Gerade wollte ich mir mit einem
Fünf-Euro-Schein eine Flasche Wasser kaufen; ich hatte vorher
nachgefragt, mit Euro könne man hier zahlen. Die 3,50 EUR
Wechselgeld hatte der Kassierer jedoch nicht, wollte mir lokales Geld
zurückgeben. Als ich darüber nicht zu allzu glücklich war, hat er
mir das Wasser geschenkt.

7030
km seit Dubai, noch 630 km bzw. eine Stunde bis Kapstadt, wir sollen
um 16:27 Uhr angekommen. Emirates sind sehr gut. Das
Essen war lecker und genügend; auch das Medienangebot ist erste
Klasse, ich habe „The Revenant“ geguckt und zwei, drei Podcasts
gehört. (Süd-)Afrika von oben ist bisher sehr braun und karg mit
vereinzelten sehr langen geraden Straßen. Ich habe das Gefühl für
Zeit verloren, gestern und heute sind mangels Schlaf eine lange
Kombination. Aber in sechs Minuten ist es Zeit für das muslimische
Asr-Gebet, so viel weiß ich dank dem Bildschirm (und wo Mekka ist
auch, nämlich 6000 km hinter uns). Der Schlafmangel wird außerdem
daran deutlich, dass ich mich eben gefragt habe, ob es nicht kürzer
wäre, anstatt über Dubai über den Nordpol zu fliegen. Langsam
werde ich ein klein wenig nervös, hoffentlich sind sowohl mein
Gepäck als auch mein Taxi gleich da.




Die
Immigrations-Dame war sehr freundlich, das Gepäck war da, der
Taxifahrer kam mit leichter Verspätung, war dann aber sehr nett und
redselig. In meinem neuen Zuhause (152 Station Road, Observatory)
wurde ich von Ine empfangen, meiner Mitbewohnerin aus Norwegen. Wir
haben zwei Häuser, die über einen Garten miteinander verbunden
sind; in den Häusern leben je drei Personen. Bei mir wohnt neben Ine
noch Angélique aus der Schweiz (Mutter aus dem Kongo); nebenan
wohnen Helen (England), Rachel (USA) und Sandro (Schweiz), letzterer
mir bisher noch unbekannt. Mit den Mädchen bin ich später zum
Abendessen in ein mexikanisches Restaurant gegangen. Alle scheinen sehr nett zu sein,
von der Mitbewohnerinnen-Seite her verspricht es unkompliziert und
angenehm zu werden. Die Wohnung selbst ist kalt, eine Heizung gibt es
nicht, und klamm, alles ist irgendwie feucht, ansonsten aber schön.
Kurios außerdem, dass wir Elektrizität im Supermarkt kaufen müssen
bzw. einen Code zum Freischalten einer bestimmten
Elektrizitäts-Kapazität. Mein Zimmer habe ich schon eingerichtet mit
dem, was ich so mitgebracht habe. Um sieben ist es draußen
zappenduster, daher (und aufgrund des langen Doppeltages) fühlt es
sich seit Stunden wie mitten in der Nacht an. Auf dass die erste
Nacht in Südafrika eine erholsame werde.




