Mittwoch, 10. August 2016

Die Tage 14 und 15

Di, 09.08.16
Freier Tag. Wäsche gewaschen, Wäsche dank schönem Wetter fast ganz trocken bekommen. Draußen im Hinterhof in der Sonne gesessen, gelesen. Sonst nicht viel Erwähnenswertes.

Mi, 10.08.16
Bei Magnet haben wir heute unsere Tisch-Performances aufgeführt. Alle drei liefen sehr gut und konnten sich durchaus sehen lassen. Zee/Neo/Lwanda haben Salz und einen Apfel eingesetzt, Nwabisa, Chiminae und ich Laub und Wasser, und die dritte Gruppe, Meghan/Jennie/Zukisani, Sand und Steine. Mark hat interessiert zugeschaut und Inspiration gesammelt.

In der Mittagspause habe ich Justin angetroffen, unseren Putzfreund. Ich hatte ihm zwar bereit eine Notiz geschrieben, dass er mein Zimmer nicht putzen (und aufräumen und bohnern und dekorieren und...) müsse; so konnte ich es ihm aber auch noch persönlich sagen. Er war zum Glück nicht böse darum. Vielleicht lag das ja am frühlingshaften Wetter heute: Wir hatten Sonnenschein und 27 Grad.

Zurück bei Magnet haben wir uns über unsere Aufführungen unterhalten: Wie wir zu unseren Entscheidungen hinsichtlich Text, Objekten und Musik gelangt sind, und wie der Titel „Ismene“ unsere Arbeit beeinflusst hat. In dem Gespräch haben wir unter anderem auch einen Einblick in Marks biographischen Hintergrund bekommen: Seine Großmutter ist 1936 vor den Nazis nach Südafrika geflüchtet.
Zuletzt haben wir Anne Carsons „Antigonick“ gelesen und uns darüber ausgetauscht. Und damit sind die zwei herrlich unzielgerichteten, spielerischen Antigone-Erforschungs-Wochen fast schon vorbei; morgen ist der letzte Arbeitstag in dieser Konstellation.

Gegen Abend bin ich mit Chiminae, Meghan und Chims Freunden Chris und Luke in die Stadt gefahren. Dort haben wir uns in einem Biergarten mit Neo getroffen, und das Wort „Biergarten“ ist bewusst gewählt: Das Lokal hieß „Weinhaus und Biergarten“, war aber ansonsten wenig deutsch. In der zumindest biergartenhaften Atmosphäre hat sich jedoch ein schöner Abend mit angeregten Gesprächen entsponnen. Eins der Themen zum Beispiel: Chris und Luke kommen aus Namibia (was sie zu „Nam“ abkürzten, was wiederum bei Meghan für Verwirrung sorgte, da „Nam“ für sie als US-Amerikanerin Vietnam ist) – ein Land, das beide dringend verlassen wollen, da dort überhaupt nichts los sei. Südafrika wäre eine gute Alternative, wenn auch für Luke erst in ein paar Jahren. Er rechnet nämlich mit immer weiter wachsenden politischen Spannungen in Südafrika, die sich seiner Ansicht nach in bürgerkriegsähnlichen Zuständen entladen könnten. Die wolle er erst vorübergehen lassen, bevor er herzieht.

Bis zehn, halb elf waren wir im Biergarten, dann fuhren wir wieder nach Hause. Wir waren allerdings mittlerweile eine Person mehr, Chiminaes Freund Seb war dazugestoßen (und fuhr uns wegen Chims Weinkonsum auch). Den fehlenden Platz im Auto haben wir wiederhergestellt, indem Meghan sich auf der Rückbank quer über uns rübergelegt hat. Zusammen mit dem Fahrtwind, der wegen einer kaputten Gummidichtung durch die Tür neben mir zog, sorgte das für ein eher unorthodoxes Fahrgefühl. Immerhin war dank der Uhrzeit auf den Straßen nicht mehr viel los, sodass wir den Weg ohne größere Bedenken und Probleme zurücklegen konnten.

Nun sitze ich im Wohnzimmer auf dem Sofa; auf dem anderen sitzt Ine und probiert, ein Referat fertigzustellen, das sie morgen halten muss. Von draußen klingen die erstickten Alraunenschreie der Katze hinein, die jede Nacht mit Vorliebe in unserem Garten sitzt. Und ich freue mich, dass ich gleich mit dem Wissen ins Bett gehen kann, morgen kein Referat halten zu müssen, sondern nur um elf wieder zu Magnet gehen und mich ein bisschen mit Antigone beschäftigen zu dürfen.

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