Do, 25.08.16
Der heutige Donnerstag begann wie der letzte, nämlich mit einem Warm-up von Sarah im Noah-Stil. Selbe Verrenkungen wie letzte Woche: happy cow, tremor finden, fluffy sounds und so weiter. Meghan war nicht dabei, sie hatte sich krank gemeldet und blieb den Tag über zu Hause.
Nach dem Warm-up ging ich für rund eine halbe Stunde ins Büro, bevor um zehn die Trainees inkl. Nwabisa, Lwanda, Honey und Zukisani das aufführten, was sie letzte Woche geprobt hatteen. Dafür kamen sogar einige Extragäste dazu, nämlich eine Lehrerin und ein Lehrer der Trainees (Schauspielunterricht?) sowie zwei ehemalige Trainees (?). Aufgeführt wurden kurze Kombinationsszenen bestehend aus je einer Action-Geschichte, einer Werbung und noch irgendetwas. Das Publikum saß eng beieinander auf der Bühne auf dem Boden, Augen geschlossen, während die jeweiligen Kleingruppen der Trainees ihre Geschichtchen rein stimmlich inszenierten und mit Effekten versahen. Viel davon war auf isiXhosa, glaube ich, ich habe von den Textpassagen jedenfalls wenig verstanden.
Hinterher gab es eine Runde konstruktive Kritik, mit der insbesondere Jennie, aber auch die anderen Lehrkräfte nicht sparten. Ist ja keine Applaus-und-Lächel-Veranstaltung hier, sondern Unterricht, bei dem etwas gelernt werden soll.
Am Schluss sangen wir Nwabisa, die heute Geburtstag hat, ein Ständchen. Es gab sogar Kuchen und eine südafrikanische Süßigkeit. Letztere hätte ich beschrieben als krosses, extrem fettiges Gebäck, das aussieht wie Karamell, aber irgendetwas anderes sein muss. Es wirkt frittiert, ist feucht und innen flüssig-Honig-fettig. Ich habe später erfolgreich den Namen der Süßigkeit ergooglet, und meine Analyse war gar nicht so weit ab vom Schuss. Zitat Wikipedia:
- „Koeksister, auch Koeksuster, ist ein zu einem Zopf geflochtenes, frittiertes Gebäck, das nach dem Ausbacken durch einen speziellen Sirup gezogen und getrocknet wird. Wort und Rezept sind burischen Ursprungs und in Südafrika sehr verbreitet. Koeksister leitet sich ab von Afrikaans oder Niederländisch "koek" (= Kuchen) und von sissen (= frittieren). Ein Koeksister wird als süßes Dessert oder einfach zwischendurch verzehrt.“
Danach habe ich mich wieder der Vorbereitung auf unser Crowdfunding-Video gewidmet. Ich habe einen guten Teil eines möglichen narrativen Ablaufs zusammengepuzzelt und hoffe, morgen mit der ersten (Text-)Version fertigzuwerden. Wir haben außerdem die Clanwilliam-Gerätschaften fertig inventuriert, wenngleich auch bis nachmittags nicht verladen bekommen, da der Truck Verspätung hatte, weil in der internen Kommunikation in dem Truck-Unternehmen etwas schiefgelaufen war.
Um zwei fuhr Themba uns wieder im Magnet-Minibus zum Hiddingh Campus zu unserer nächsten/meiner zweiten und letzten Clanwilliam-Vorbereitungs-Sitzung. Wieder mit Lavona, wieder im Freien auf dem Parkplatz zwischen den Unigebäuden, wieder mit den Drama Students. Wir spielten wieder ein paar Spiele, die wir potentiell mit den Kindern in Clanwilliam spielen können, z.B. Verstecken, aber auch ein „Spiel“, mit dem ich mich nicht so richtig anfreunden konnte: „Help“ haben wir es genannt, und es bestand daraus, dass sich alle auf den Boden werfen und laut und theatralisch um Hilfe rufen. Als Reaktion auf mein Nichtsoglücklichsein darüber meinte Mariana, man könne ja das Wort ersetzen. Vielleicht durch roly poly? Gut, ist womöglich nicht das beste Wort zum Schreien, aber meine Kritik scheint angekommen zu sein.
Die Magnet-Trainees mussten um halb vier weg. Ich wollte mich auch auf den Weg machen, habe mich dann aber noch kurz mit Lavona unterhalten, unter anderem darüber, dass Afrikaans für mich eine Mischung aus witzig und teils unverständlich ist. So hat Lavona herausgefunden, dass ich nicht aus den Niederlanden, sondern aus Deutschland komme, was sie aber direkt klasse fand. Ob ich den Drama Students nicht ein paar deutsche Lieder beibringen könne, die wir mit den Kindern singen können? Eine fremde Sprache würde die Kinder sofort faszinieren. Ja, wieso nicht, sagte ich, und blieb. Nach einer halbstündigen Pause hatte Mariana eine Probe-Unterrichtseinheit, wir Übrigen haben wieder die Kindern gespielt. Und danach haben wir „Auf der Mauer, auf der Lauer“ probiert, was jedoch mit dem Buchstaben-Weglassen zu kompliziert war. „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ quittierten alle mit großen Augen und Lavona meinte, dass einfache Kindergarten-Lieder vielleicht besser wären, woraufhin ich meinte, dass das ein einfaches Kindergarten-Lied sei, woraufhin alle erneut große Augen machten. Sehr glücklich waren sie dann aber mit „Der Hahn ist tot“ auf Deutsch, Englisch, Niederländisch/Afrikaans, Französisch, und ich könne doch auch gerne eine Liste mit Strophen in noch anderen Sprachen vorbereiten.
Ich freue mich schon auf Clanwilliam. Auch, da mit den Drama Students sofort diese unverwechselbare TheWi-Stimmung herrscht – ein offenbar globales Phänomen. Egal ob Erlangen, Amsterdam oder Kapstadt, TheWis sind einfach überall TheWis.
Im Anschluss an den Kurs, 17:45 Uhr war es mittlerweile, bin ich zum Glück dem Minibus-Taxi entkommen, das zu nehmen Themba vorgeschlagen hatte, da er uns/mich heute nicht nach Hause fahren konnte. Auch den Jammie musste ich nicht nehmen. Denn Clement, einer der Drama Students, wohnt ebenfalls in Obz und erklärte sich freundlicherweise bereit, mich im Auto mitzunehmen. Wir warteten noch zwanzig Minuten, damit der größte Schwall Feierabendverkehr vorüber war, bevor wir zum Parkplatz gingen. Dort sammelten wir noch zwei Freunde von Clement auf, die ebenfalls mitkamen. Der Verkehr stellte sich als für Kapstädter Verhältnisse tatsächlich erstaunlich flüssig heraus. Auf halbem Weg jedoch kamen wir an einer Polizeikontrolle vorbei, die gerade mit einigen anderen Autos beschäftigt war. Angehalten haben sie uns nicht. Aber Clement freute sich plötzlich erstaunlich überschwänglich, nämlich genau über die Tatsache, dass sie uns nicht anhielten: „Whooaaa, we would have been so fucked!“ Wieso das, kam es vom Rücksitz. Weil du high bist? Nein, Clements Antwort. Weil ich keinen Führerschein habe. Er könne aber fahren, er fahre seit zwei Jahren. Das Auto habe er seit drei Wochen. Bekommen habe er es von seiner Mutter. Seiner Polizisten-Mutter. Seiner Verkehrspolizisten-Mutter. Ja. Also. Willkommen in Südafrika.
Trotz mangelndem Führerschein fuhr Clement gut und sicher. Immerhin. Er hat mir sogar noch dringend davon abgeraten, jemals in ein Minibus-Taxi zu steigen, da die wie die Bescheuerten fahren. Er klang dabei wesentlich mehr wie Margie als wie Meghan und Ine. Südafrikanerinnen und Südafrikaner warnen mich vor den Taxen, Internationale finden sie okay. Ich weiß nicht recht, was ich davon halten soll.
Zu Hause machte ich mir gut und reichlich Abendessen, nur um beim Spülen von Ine gefragt zu werden, ob ich gleich mitkommen wolle, etwas essen und trinken. Ich habe mich trotz Bauchvollheit meinen Mitbewohnerinnen und Sandro sowie einigen von deren internationalen Freunden angeschlossen. Gelandet sind wir bei Fernando's, einer Pizzeria direkt gegenüber von Magnet. Ich bestellte einen Milkshake, sehr lecker, und nach langem Ringen mit mir selbst auch eine Pizza („French Prince“: Camembert, Cranberries, Bacon), da diese dort ausgezeichnet sein soll. Meine Pizza war dann zwar nicht schlecht, aber auch nicht überwältigend, wobei ich nicht sicher bin, ob das an der Pizza oder an meinem fehlenden Hunger lag. Ich werde den Rest morgen essen und dann über eine Neubewertung nachdenken. Unabhängig von den kulinarischen Geschichten habe ich mich aber gut unterhalten, u.a. mit Priya (Schweiz, indische Wurzeln) Michelle (USA, chinesische Wurzeln) und meinen Roomies.
Fazit des Tages: Donnerstage haben in letzter Zeit die Tendenz, besonders lange, ereignis- und abwechslungsreiche Tage zu sein. Schön.








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