Samstag, 27. August 2016

Tag 31

Fr, 26.08.16
Heute Morgen habe ich am Narrativ fürs Video gearbeitet und, als ich damit fertig war, den Text an Jennie und Margie geschickt. Vom anschließenden Videoschnipsel-Schneiden hat mich für eine Weile Themba erlöst, der nach Begleitung suchte für eine Fahrt quer durch die Stadt, um verschiedene Sachen abzuholen. Zukisani kam ebenfalls mit auf unsere dreistündige Tour mit dem Magnet-Minibus.
Unser erster Stopp war Marks und Jennies Haus. Dort empfing uns neben einem großen, sehr alten Hund auch eine runde schwarze Frau mittleren Alters. Ich fragte Themba anschließend, was genau diese Dame so tue. Themba und Zuks suchten nach dem richtigen Begriff, „Auntie“ sei wohl als Bezeichnung verbreitet, eine Art Haushaltshilfe sei sie, nicht unähnlich unserem Justin, schätze ich. Beide äußerten aber Unbehagen angesichts der offenbar gängigen Praxis, so jemanden anzustellen. Ein Relikt aus Apartheid-Zeiten wohl, zu einem gewissen Grad.

Weiter ging es zum Hiddingh Campus, Requisiten für Jennies anstehende Show abholen. Die zwei folgenden Stopps: Eine Tankstelle (Bezahlung bei Tankstellen-Mitarbeitern direkt am Autofenster) und ein ausgesprochen ansprechender Laden für Bürobedarf. Bei letzterem holten wir Papier und Farben für Clanwilliam ab. Weiter zu einer Firma, die unter anderem Elektrogeräte (Mikrofone, Boxen) verleiht. Und dann zu einem Lagerraum, den Magnet für Requisiten fertiger Shows gemietet hat. Der Minibus war zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich voll; wir mussten ein wenig umschichten, bevor wir vier Rollen extrem schwerer Rollen Bühnenbodenbelag in den Bus hieven konnten.

Dann zurück zu Magnet, es war mittlerweile 14 Uhr, und alles wieder ausladen (die Rollen mit dem Bodenbelag trugen wir etwas später auf die Bühne, und das diesmal zu viert, Lwando half, und trotzdem waren sie noch enorm schwer). Die Pizza vom Vorabend hatte mir unterdessen sowohl als Frühstück als auch als Mittagessen gute Dienste geleistet.
Die Stimmung am Theater war bei unserer Rückkehr etwas seltsam: Jennie war gerade dabei, eine Art Gardinenpredigt-Krisengespräch mit vieren der Trainees (Meagan, Beviol, Zizipho, Lwando) zu führen, die anderen waren nicht da. Thema des Gesprächs: Zuspätkommen und Garnichtkommen, anscheinend ein Problem bei den angehenden Theaterschaffenden. Auch Margie war noch immer im Büro, obwohl wir uns eigentlich schon drei Stunden zuvor „bis nach Clanwilliam“ gesagt hatten. Sie führte ein ernstes Telefonat mit Natasha darüber, dass die Trainees am Vortag früher vom Clanwilliam-Vorbereitungskurs weggegangen waren und darüber, dass Natasha heute nicht am Theater war. Dabei erfuhr ich, dass die Trainees für unentschuldigte Abwesenheit als Strafe ein Bußgeld bezahlen müssen. Anders gehe es nicht, erklärte Margie mir. Auf diese Weise werde probiert, den Trainees Pflichtbewusstsein anzuerziehen, damit sie im späteren Arbeitsleben nicht wegen so etwas gefeuert würden.

Ich schnitt weiter Videoclips. Später eröffnete mir Jennie, die meinen Narrativ-Vorschlag mittlerweile gelesen hatte, dass dieser ihr gut gefalle, und ich die Clips doch einmal zusammensetzen solle. Das tat ich dann auch, nachdem ich sie alle geschnitten hatte, und wurde tatsächlich, Meghan war gerade im Begriff zu gehen, eine Viertelstunde vor Feierabend fertig. Ist noch sehr unfertig, das Ganze, aber sieht jetzt schon gut aus, ich bin zufrieden. Mit diesem funktionierenden Zwischenstand kann ich bauchschmerzlos nach Clanwilliam gehen und das Video dort fertigstellen.
Ich half Themba noch, den Trailer (nicht Video, sondern Anhänger), den wir zuvor ins Foyer gezogen hatten, zu beladen (finaler Inventur-Stand: 78 Posten), bevor ich nach einem warmen (bis zu 27 Grad) und durchaus erschöpfenden Tag in den Feierabend und ins verkürzte Wochenende startete.

Nächste Woche ist spring break von der Uni. Angélique ist daher heute morgen aufgebrochen zu einem Trip auf die sogenannte Garden Route, die mir gestern schon Clement empfohlen hatte. Ine startet morgen früh mit einer Reisegruppe auf eine einwöchige Tour durch Namibia. Und da ich Sonntagmittag ebenfalls losziehe (-mittag und nicht -vormittag, wie ursprünglich geplant, da ich nun mit Jennie mitfahre, die später losfährt, weil Jennie Meghan, die eigentlich mit ihr mitfahren sollte, nicht in ihrem Auto haben möchte, weil Meghan noch immer stark erkältet ist, und Meghan daher meinen Platz im Magnet-Minibus bei Themba und den Trainees einnimmt), wird das Haus rund eine Woche lang leerstehen. (Und damit das keine südafrikanischen Einbrecherbanden lesen, verzichte ich an dieser Stelle bewusst auf die isiXhosa-Übersetzung.)

Ach ja: Ich habe mir heute Zahlen gemerkt, die Themba von sich gegeben hat. In Clanwilliam werden wir 48 es mit rund 700 Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Bei der Abschlussveranstaltung am Samstagabend werden offiziellen Angaben nach 2000-3000 Menschen erwartet, es wären aber wahrscheinlich eher 1500-2000 dort.

Und noch mal ach ja: In Südafrika kann man sich, wenn man das nötige Kleingeld hat, persönliche Nummernschilder ausstellen lassen. Heute habe ich zum Beispiel „BAKER 42-WP“ und „MOTION-WP“ gesehen (WP = Western Cape Province).

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