Mo, 03.10.16
Meditation Monday! Margie hatte mich letzte Woche gebeten, doch heute die morgendliche Meditation zu leiten, jeder ist mal dran. Daher habe ich gestern Abend noch etwas vorbereitet: eine Traumreise in eine Unterwasserwelt, mit Übergang in „Under the Sea“ (aus Arielle, die kleine Meerjungfrau), das Lied begleitet auf der Gitarre. Rund zehn Minuten hat es gedauert, war witzig. Und den Trainees, Margie und Jenny, die mit geschlossenen Augen auf der Bühne lagen, hat es augenscheinlich auch gefallen.
Danach habe ich wieder Leute per Telefon und E-Mail wegen des Nahrungsmittel-Sponsorings terrorisiert („Habt ihr unsere Mail bekommen?“ - „Gibt es Neuigkeiten?“ - „Hier, Infomaterial!“). Margie habe ich das Versprechen abgerungen, dass Meghan (die morgen wiederkommt) und ich auch mal mit in die Townships dürfen zu den Culture Gangs. Aber nicht nach Manenberg, meinte Margie, wegen der Sicherheit. Find ich okay, muss ich sagen.
Apropos Sicherheit, die Uni ist wohl noch immer nicht wieder offen. Oder doch, mit stark verschärften Sicherheitsmaßnahmen? Die Lage ist ein bisschen unübersichtlich. Ich habe auch schon gehört, dass überlegt wird, die letzten zwei Wochen des Semesters einfach ausfallen zu lassen. Ich bin ganz froh, dass mich das alles nicht direkt betrifft, das ist alles nicht schön.
Nachmittags habe ich einige Ordner mit Zeitungsausschnitten sortiert, Jenny hatte mir das als angeblich schöne, weil nicht denkintensive Aufgabe gegeben. Im Laufe des Nachmittags kam dann Themba ins Büro, der seit heute Mittag von seinem etwa einmonatigen Aufenthalt in Jozie/Joburg/Johannesburg zurück ist. Er hat Jenny und mir einige seiner Eindrücke geschildert. So gibt es in Joburg offenbar große Vorbehalte gegenüber Kapstadt. Die „Mother City“ würde dort als Brutstätte des Rassismus angesehen, hier lebten nur Weiße, Schwarze gäbe es so gut wie nicht. Ein Fünkchen Wahrheit ist da wohl dran, Kapstadt ist tatsächlich sehr viel weißer als Joburg. Dafür ist die Community der Coloureds hier aber sehr groß, anders als in Joburg, das vornehmlich schwarz bevölkert ist. Themba erzählte, er habe Kapstadt ausgiebig gelobt und probiert zu entdämonisieren, aber die Propaganda sei wohl so allgegenwärtig, dass das gar nicht einfach war. Jozie habe tolle Menschen, in Kapstadt wären die Menschen furchtbar, so erzähle man sich in Joburg. Interessant, auf welcher Ebene diese Rivalität zwischen den beiden großen Städten ausgetragen wird.
Joburg ist dafür hier (wie übrigens auch in Europa) verschrien als sehr gefährliches Pflaster. Und obwohl Themba meinte, die Stadt sei ziemlich cool, gab er gleichzeitig auch zu, dass es dort in der Tat viel Kriminalität gebe. Autos z.B. könne man nur in bewachten Arealen parken. Ein Freund von ihm habe das nicht gemacht, und sie hätten am Ende des Abends den Wagen einige hundert Meter weiter die Straße hinunter gefunden, Scheibe eingeschlagen, Radio weg, innen alles kaputt, Spuren eines missglückten Kurzschlussversuchs.
Jennie, die mit Themba zusammen heute ebenfalls zurückgekommen war, hatte heute Geburtstag und entschied sich, nicht ins Büro zu kommen. Wir werden sie wohl morgen sehen. Verständlich aber: Es war heute so sommerlich warm/heiß (wir benutzen den Heizlüfter im Büro mittlerweile als Klimaanlage), dass Magnet nicht der Ort war, an dem man sich naheliegenderweise hätte aufhalten wollen. Der Sommer kommt mit großen Schritten.

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