Donnerstag, 6. Oktober 2016

Tag 61

Mi, 05.10.16
Mittwoch heißt singing class, und da habe ich mich heute erneut dazugesetzt. Morgen haben die Trainees eine Aufführung für irgendeine Woolworths-Gala direkt nebenan, da sollen sie mit ein paar Liedern gute Laune verbreiten. Fünf Stück sollen es wohl werden, die wir heute mit milder Assistenz Shauns geübt haben. Ich war so frei, alle mitzuschneiden. Hier ein Zusammenschnitt:

 

Es war schon gegen halb zehn, also normalerweise Ende der Unterrichtsstunde, da setzten sich Jennie und die potentielle Sponsorin in den Zuschauerbereich. Wir machten ungeachtet der Zeit also einfach weiter, um der Dame einen Eindruck davon zu geben, was bei Magnet so gemacht wird. Nach zwei, drei Liedern unterbrachen uns Jennie und die Sponsorin allerdings; letztere wollte gern mit den Trainees reden. Ein großer Stuhlkreis wurde gebildet, alle stellten sich vor („Hi, my name is Andreas, I'm from the University of Amsterdam, I'm doing an internship here“). Die nette blonde Dame um die 40 hieß Heather, sie kam aus den Staaten, Boston offenbar, lebt aber seit Jahren in Südafrika, und ist gerade für ihre Stiftung oder Firma oder was auch immer auf der Suche nach youth development projects, die sie mit viel Geld unterstützen können, dafür reist Heather gerade quer durchs Land. Magnet ist mittlerweile in der dritten und finalen Runde der Auswahl angelangt; von den ursprünglich über 500 Bewerbern sind nur noch 22 übrig.
Lwanda und Nwabisa machten den Anfang und lobten Magnet ausgiebig, einige hinzugekommene Alumni schlossen sich an. Nach den ersten rund 15 Minuten allerdings winkte Themba Honey und mich hinaus. Wie sich herausstellte, mussten wir mal wieder den unlustig schweren Bodenbelag von „Gone“ (der Jennie-Show, die gerade in Joburg war und Ende der Woche nach Amsterdam weiterzieht) aus einem Transporter in die Lobby tragen. Ich ging danach nicht mehr zurück auf die Bühne, da ich dort sowieso eher unnützes Beiwerk gewesen wäre.

Stattdessen machte ich mich wieder an die Clanwilliam-Video-Sache, auf die ich gerade nicht so wirklich Lust habe. Ich muss mir noch irgendwas einfallen lassen, wie ich das für mich selbst interessant machen kann. Wunderbar allerdings: Das Büro von Ina Paarman hat zurückgeschrieben, wahrscheinlich bekommen wir von dort Spenden für die Aufführung am 22. Oktober. Offenbar hat das Ina Paarman, die Chefin, selbst verfügt. Mir war das vorher nicht aufgefallen, aber ich koche andauernd mit Hühnerbrühe von ihrer Firma.
Kurz vor der Mittagspause wurden wir aus dem Büro ins Foyer hinuntergeschickt, da Jennie und Heather oben reden wollten. Nach der Mittagspause war Heather dann wieder weg und es kehrte wieder weitestgehend Normalität ein. Ich hatte zunächst ein etwa 15-minütiges Gespräch mit Lwando und Lwanda über Lwandos Gesang, da mir morgens ein paar Dinge daran aufgefallen waren. Wenig später setzte ich mich eine Weile zu den Trainees in die Lobby, die dort (weil Themba auf der Bühne Technikkram machte) an den Liedern für morgen arbeiteten. Ob ich denn morgen auch mitsingen werde, fragten sie. Wohl eher nicht, denke ich allerdings. Ich würde ja, aber aus einer Reihe von Gründen (ich bin kein Trainee, ich hab zu tun, ich kenn die Lieder nicht gut genug) ist das wahrscheinlich unwahrscheinlich.


Nach dem spannenden Vormittag machten wir früh Feierabend. Nicht jedoch, bevor Zizipho ein kleines Drama ausgelöst hatte, indem sie sich um das tägliche Saubermachen drückte, indem sie mich um den Dressing-Room-Schlüssel bat, was Jenny H. zwar erst absegnete, was dann aber zu Verstimmungen führte. Den Nachhauseweg trat ich mit Beviol zusammen an; auf dem Weg holten wir Zizipho ein. Wir heckten schon mal Pläne aus für den Februar nächstes Jahr, in dem Magnet mit der Show A-ha für ein Gastspiel nach Deutschland, nämlich nach Hamm, kommt; ich hoffe, da dann auch hin zu können. Die beiden waren außerdem erstaunt davon, wo ich in Kapstadt wohne, da gehen sie nämlich jeden Tag dran vorbei, ohne es gewusst zu haben.

Ich blieb dann nicht lang zu Hause: Ine hatte geschrieben, dass wir uns dringend um unseren Strom kümmern müssen. Unser Runterzähler hatte nämlich seit einigen Tagen nichts mehr angezeigt. Batterie alle, so die Vermutung. Jetzt hatte Justin Ine heute Morgen aber erzählt, dass wir, wenn wir das Strom-Volumen, quasi, überziehen, ordentlich nachzahlen müssen. Und da wir nicht wussten, wie viel wir nach auf dem Zähler haben, hatten wir ein wenig Bammel. Ine und Angélique waren dummerweise beide auf einem wine tasting, und morgen gehen beide auf ein Festival (wie übrigens die drei aus dem anderen Haus auch, ich werde bis Sonntag also allein zu Haus sein). In einem Versuch, die Lage zu retten, machte daher ich mich auf den Weg, eine neue Batterie für den Zähler zu kaufen.
Leider stellte sich das als gar nicht so einfach heraus. Ich suchte und fragte in sieben verschiedenen Läden am St. Peter's Square, keiner davon hatte 3,6-Volt-AA-Batterien. Auf dem Rückweg fragte ich sogar noch im Autoteile-Geschäft an der Main Rd, hatte aber auch dort kein Glück. Allerdings kam ich bei der Gelegenheit mit dem großen schwarzen Mann ins Gespräch, der immer vor ebenjenem Laden steht, in Militäruniform, dicker Schutzweste und mit Walkie-Talkie. Es fehlt eigentlich nur die Maschinenpistole, um das Bild abzurunden. Ine hatte sich schon zuvor mit ihm unterhalten, daher wusste ich, dass er Innocence heißt. Ich fragte ihn aber trotzdem höflich nach seinem Namen, nachdem er mich nach meinem gefragt hatte, nachdem wiederum ich ihn gefragt hatte, wieso er da denn immer stehe, ich würde mich das andauernd fragen, wenn ich ihn da stehen sehe (was der Wahrheit entspricht). Den Boss des Ladens beschützen, war die Antwort von Innocence. Bevor er da gewesen ist, habe es wohl mehrmals Probleme gegeben. Klingt ein wenig mafiös, ich wollte dann aber nicht zu sehr nachhaken. Netter Kerl auf jeden Fall, Innocence. Ine war schon einmal von ihm auf einen Whisky eingeladen worden, er wohnt offenbar auch in Obz. Mal schauen, ob das demnächst bei mir auch noch passiert.

Später am Abend haben Ine und ich dann herausgefunden, dass wir unser Stromkonto doch nicht überzogen haben. Und die Batterie des Geräts ist auch nicht leer, sondern nur sehr niedrig, daher hatte das Gerät die Anzeige abgeschaltet. Wir haben noch 30 Kilowattstunden an Strom; ich werde die Tage einfach das Konto auffüllen.
Ach: Und mir ist bis Sonntag die Aufgabe zugeteilt worden, auf Helens und Rachels Goldfische aufzupassen, also sie zu füttern. Die stehen jetzt bei uns in der Küche in ihren kleinen Gläsern und starren traurig heraus. Blubb.

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