Freitag, 7. Oktober 2016

Tag 62

Do, 06.10.16
In der heutigen voice class war ich dank einer Rückenverspannung, die seit zwei Tagen zum Glück im Abebben begriffen ist, noch ungelenkiger als sonst. Dennoch habe ich so gut es ging die Übungen mitgemacht, was zu den ganzen Tag über spürbar schwachen Beinen führte.

Um zehn zog Margie Nwabisa, Lwanda, Meghan, Honey und mich aus der Stunde, da ein großes staff meeting anberaumt war. Anderthalb Stunden lang saßen wir im Büro um den Tisch herum und sprachen über alles mögliche. Wir, das waren Jennie, Margie, Jenny H., Themba, Nolan, Maggie, Zukisani, Honey, Nwabisa, Lwanda, Meghan und ich.
Es ging um die Ekhaya-Crowdfunding-Kampagne, um Nwabisas und Lwandas Produktionen („23 Years, a Month and 7 Days“ und „Kudu“), die Culture Gangs, das Culture Gangs Showcase, und so weiter, und so fort. Lwanda beschwerte sich massiv über die Trainees, Nwabisa stimmte ein wenig weniger stark ein. Zu arbeiten sei momentan wegen mieser Vorbereitung, schlechtem Arbeitsethos und grottiger Stimmung eine Qual, führte Lwanda aus. Jennie zeigte sich geschockt und kündigte an, mit den Trainees zu reden (inkl. Ansage, dass, wer keine Lust mehr habe, gehen könne); außerdem solle eine Sondersitzung der Trainees zur Aufklärung der Ursache und zur Behebung der Probleme veranstaltet werden.
Weitere Ergebnisse: Meghan und ich dürfen wahrscheinlich nächste oder übernächste Woche einmal mit in ein Township zu den Culture Gangs; ich bin als Fotograf für Nwabisa und Lwanda angeheuert, zumindest im Prozess vor den Aufführungen; Jenny H. bringt eine neue alte Mikrowelle mit, um die kaputte alte zu ersetzen; und – noch streng geheim, daher hier in einer Geheimsprache, die niemand bei Magnet versteht – es wird auch nächstes Jahr ein Trainee-Programm geben, aber erst mal mit einer vorläufigen Laufzeit von sechs Monaten, damit a) das Ganze am Rollen bleibt und b) mehr Zeit für die Geldsuche zur Fortsetzung vorhanden ist.

Um 11:45 Uhr besprach Margie sich noch kurz mit Meghan und mir. Wir haben die Aufgabenteilung neu geregelt, Meghan nimmt sich wieder komplett des Culture Gangs Showcase an, ich bin ab sofort für alles rund um Ekhaya zuständig. Margie war nicht so glücklich darüber, dass ich mich bei Nwabisas Projekt einklinken will, hat es mir allerdings auch nicht völlig verboten. Sie möchte aber, dass alles – wie wir zu Beginn des Praktikums besprochen hatten, wie sie betonte – über sie läuft und nichts eigenmächtig gemacht wird. Das habe ich später noch mit Nwabisa besprochen, und wir haben uns darauf geeinigt, dass wir das schon irgendwie hinbekommen.

Dann halfen Nolan, Meghan und ich Themba beim Verladen von unser aller liebsten Rollen Bodenbelag in den Magnet-Van und dann beim Entladen und Verstauen derselben im gemieteten Lagerraum in Woodstock. Wieder bei Magnet war Mittagspause. Als ich daraus zurückkam, war Meagan gerade draußen am Textüben, Beviol saß daneben und sah nicht gut aus. Nachdem ich kurz drinnen vorbeigeschaut und beschlossen hatte, dass ich noch ein wenig Auszeit brauche, setzte ich mich noch mal zu Meagan nach draußen und half ihr mit den lines. Kurz darauf wieder drinnen sah Beviol noch schlechter aus, weswegen Jenny H. mich losschickte, um Panado, Schmerztabletten, zu holen. Ich lief auf der Lower Main Rd erst mal eine ganze Weile in die falsche Richtung, bevor ich umdrehte, zurückging, und in unmittelbarer Nähe von Magnet den Laden fand, den ich suchte.

Und dann geschah das Highlight des Tages: Meghan rief bei Ina Paarman an, der Firma, die uns eine Nahrungsmittelspende fürs Culture Gangs Showcase in Aussicht gestellt hatte. Das großartige Ergebnis: Wir bekommen Pfannkuchenmix und Ahornsirup. Der Mix sei ein Fehlprodukt aus der Fabrik; eigentlich habe es Vanillekuchen-Mix werden sollen, aber die Zutat, die den Kuchen aufgehen lässt, wurde vergessen. Man habe aber herausgefunden und ausgiebig getestet, dass sich der verunglückte Kuchenmix ganz hervorragend zur Herstellung von Pfannkuchen eigne. Und zwar bekommen wir von dem Mix sage und schreibe zehn Kilogramm, vom Sirup fünf. Meghan meinte, die Dame am Telefon habe gesagt, damit könne man allen Ernstes 8000 Pfannkuchen machen. Wir sollten also versorgt sein am 22. Oktober. Und wir freuen uns alle sehr. Uuund wir wissen, was wir alle am Abend des 21. Oktober in unseren jeweiligen Küchen machen werden.

Danach habe ich noch mit Themba kurz braingestormt, wie ich das Clanwilliam-Video aufziehen kann, das Jennie haben möchte, wie sie heute auch noch einmal wiederholt hatte. Sollte klappen. Themba und Jennie haben sich im Übrigen heute beide wieder abschiedet, da sie morgen nach Amsterdam fliegen, wo nächste Woche „Gone“ im Frascati aufgeführt wird. Dessen Lichtanlage, wie wir bei der Gelegenheit erfahren haben, läuft noch mit Disketten. Themba hat seine Licht-Settings auf einer Floppy Disc gespeichert. Er hat das Stück Plastik heute leicht belustigt in seinen Koffer gepackt.

Zum Schluss möchte ich noch einige Sprachlichkeiten notieren, die mir aufgefallen sind. Das Englisch hier ist vom Afrikaans mitgeprägt; so werden Wörter wie „kak“, „poep“ und „lekker“ auch ins Englische eingebaut. Die Nachfrage „is it?“ wird auch ungrammatisch als „oh, really?“ eingesetzt. Ein Jennie-ism ist „bless you, love“ als Synonym für „thank you“. Ich weiß nicht, ob es aus isiXhosa oder Afrikaans stammt, aber „yhooo!“ ist ein gängiger Ausruf hier (sprich: jooOoo!), auch gebräuchlich als kurz gehecheltes, überraschtes/ungläubiges/begeistertes „yho!“. Und über „sure sure sure sure“ bzw. „sure man“ habe ich schon geschrieben, oder? Sehr beliebt hier. Sure sure sure sure.

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