Dienstag, 18. Oktober 2016

Tag 74

Di, 18.10.16
Heute hat mich ein Affe angepinkelt. Ein anderer sabberte mir aufs Kameradisplay, als er hineinzubeißen versuchte. Ein dritter riss mir einen Faden aus der Hemdtasche und begann, darauf herumzukauen. Oder war es womöglich jedes Mal derselbe Affe? Nun – der Reihe nach.
Paula, Julia und ich fuhren heute mit einem Herrn namens Zvikomborero in einer knappen halben Stunde gute 17 Kilometer für etwa 145 Rand (ca. 9,50 EUR) nach Hout Bay.

Dort gingen wir (mit Studentenrabatt!) in den „World of Birds Wildlife Sanctuary and Monkey Park“, einen riesigen Eigentlich-Tierpark-aber-hauptsächlich-Vogelpark. Dort liefen wir erst rund anderthalb Stunden lang über die Wege (offene Bereiche) und durch die Käfige (geschlossene Bereiche) und bestaunten Tiere. Der Park – gegründet vor x Jahren von einem Deutschen namens Walter Mangold, Aufrechterhaltungskosten pro Monat: eine halbe Million Rand – hat es sich zur Aufgabe gemacht, verletzte Vögel, die in der Wildnis nicht überleben würden, aufzupeppeln und zu beherbergen, z.B. Greifvögel mit nur anderthalb Flügeln. Also das ist zumindest die Aufgabe, die im Park am prominentesten promotet wird. Die World-of-Birds-Website listet die Ziele des Parks wie folgt auf:
  • To support conservation on a global scale by propagating rare birds and mammals in a protective environment and in as natural a state as possible.
  • To bring wildlife to the people by establishing breeding centres and sanctuaries to show that wildlife and urban development can be compatible.
Letztlich handelt es sich aber im Großen und Ganzen um einen ziemlich weitläufigen Vogelpark mit einer recht bodenständigen Atmosphäre, in der es den meisten Tieren (abgesehen von ein paar, die eindeutig einen Lagerkoller hatten) ganz vernünftig zu gehen scheint.

Um halb zwölf wurde dann der Parkteil geöffnet, der der hauptsächliche Grund für unseren Besuch war: der „Monkey Jungle“. Dort kann man auf Tuchfühlung gehen mit kleinen Affen, die im Englischen recht niedlich squirrel monkeys heißen, im Deutschen eher sinister Totenkopfäffchen, heimisch ursprünglich nicht in Afrika, sondern in Süd- und Mittelamerika. Bezeichnung und Herkunft hin oder her, die Äffchen waren quirlig, frech und enorm niedlich. Die Dame vom Park hatte uns am Eingang unsere Taschen entleeren lassen, nichts Affenmundgroßes durfte darin zurückbleiben. Mit gutem Grund: Die Äffchen waren, nachdem die Dame uns Körner in die Hand, auf den Kopf oder mir in die Hemdtasche getan hatte, überall: auf den Armen, auf den Händen, auf den Beinen, auf dem Kopf, und eben auch in den Taschen. Ein paar Mal fasste eines der Tiere mir mit seinen Händen – klitzekleinen, aber faszinierend weichen, menschenhandähnlichen Händen – sogar zwischen die Knöpfe ins Hemd, um zu ertasten, ob dort womöglich Futter versteckt sei.

Eine halbe Stunde lang ließen wir die Affen auf uns herumklettern, und eigentlich hätten wir sie wohl noch ewig weitermachen lassen können, Pinkel- und Kamerabeißangriffen zum Trotz. Schließlich verließen wir die Äffchen dann aber schweren Herzens doch und erkundeten den Rest des Parks.

Gegen eins nahm ich ein Uber zurück nach Hause; Paula und Julia blieben noch, da sie trotz des nicht idealen Wetters in Hout Bay an den Strand wollten. Meine Rückfahrt nahm einen (nicht allzu schlimmen) Umweg, da es in Kapstadt aus irgendeinem unerfindlichen Grund zwei Station Roads gibt (die andere in Claremont) und ich wohl die falsche angeklickt hatte.
Trotzdem war ich aber um kurz vor zwei bei Magnet und fundete crowd (26 neue Facebook-Nachrichten an alle möglichen Theater usw.), während nebenan die Jugendlichen von der Chris Hani Secondary School im Township Khayelitsha technische Probe in Vorbereitung auf kommenden Samstag hatten. Themba ist wieder aus Amsterdam zurück; Designer Craig brachte Lwanda ein Paar Kudu-Hörner für dessen Show „Kudu“; ich bastelte weiter am Wikipedia-Eintrag.

Zurück zu Hause erzählte Ine mir von ihrem Versuch, heute auf dem Campus in der Bibliothek zu lernen, der jedoch durch die noch immer aufgeheizte Stimmung (Person, die in der Bib herumbrüllte, wie Leute studieren könnten, wenn andere Leute im Gefängnis sitzen; Person, die von den Sicherheitskräften in einen Wagen geschleift wurde; usw.) be-, wenn nicht sogar verhindert wurde.
Julia und Paula kamen zurück, beide sandig; ich ging fürs Abendessen und für morgen (Tafelberg-Besteigung) einkaufen; ich kochte; wir aßen; wir probierten, einen Film in der ARD-Mediathek zu schauen, was aber nicht funktionierte, da wir in Südafrika und nicht in Deutschland sind (wir tricksten es schließlich doch zurecht, verschoben das Filmgucken dann aber); und letztlich tüdelten wir den Abend über mit Fotos und Postkarten und ähnlichem herum.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen