So, 30.10.16
Heute bin ich aufgewacht und war erst
einmal verwirrt, da mein Laptop und mein Wecker mir unterschiedliche
Uhrzeiten anzeigten. Nach kurzer Recherche fand ich heraus, dass mein
Laptop automatisch die Sommerzeit, die in Deutschland letzte Nacht
endete, herausgenommen hatte – was ich schnell änderte. Hier bleibt
die Zeit dieselbe, ich habe also ab sofort eine Stunde
Zeitverschiebung zu Deutschland (hier in Südafrika ist es eine Stunde später).
Dann machte ich einen Nudelsalat, denn
für heute Mittag hatte ich mich mit einer Englische-Literatur- und
Psychologie-Studentin, die ich auf meiner Suche nach netten Menschen, mit
denen ich im November etwas machen könnte, kennengelernt habe, nahe des
Lower Campus zum Picknick verabredet. Sinakho (sprich: ßi-NA-ko, mit
kehligem A, ähnlich dem aa in „Afrikaans“) kommt aus
Johannesburg, hat mal zwei, drei Jahre in England gelebt, und
ist ziemlich witzig. Wir haben den Nachmittag über gegessen,
ein wenig Musik gemacht (ich hatte meine Gitarre dabei) und uns vor
allen Dingen sehr gut unterhalten. Das Ganze fand statt am Ufer eines
Reservoirs, das zwar eingezäunt ist; im Zaun klafft allerdings ein
großes Loch (mit einem Schild daneben, auf dem jemand das „no
entry“ mit einem großen „welcome“ übermalt hat). Wir waren
bei weitem nicht die einzigen, das Gewässer war sehr gut besucht (wie eigentlich immer, so Sinakho).
Diverse Leute schwammen sogar darin. Und die Szenerie war durchaus
malerisch.
Bemerkenswert: Gegen Abend stand die
Sonne im einen Moment noch hoch am Himmel, dann berührte sie den Gipfel des
Tafelbergs, und plötzlich war sie in einer Geschwindigkeit dahinter
verschwunden, die ich so noch nicht gesehen habe. So schnell ist die
normalerweise nicht, waren wir uns einig.
Ach, und ich habe ein
Zehn-Sekunden-Video aufgenommen, das, wie ich hinterher festgestellt
habe, zufällig eine Art absurdes Kunstwerk geworden ist. Ich
mag es sehr:
Als es gegen halb sieben langsam frisch wurde und noch langsamer in Richtung Dämmerung voranschritt, gingen wir
über den Campus zur Main Rd hinunter, von wo aus wir uns Ubers bestellen wollten. Auf
dem Weg trafen wir vor einem Wohnheim noch zufällig eine Freundin von Sinakho, Denise,
die unter anderem erzählte, dass sie am Montag um ihr Handy
erleichtert worden sei, als sie (mittags!) mit dem Zug fuhr. Alle anderen im
Abteil waren gerade ausgestiegen, und sie, da sie nun allein im
Waggon war, wollte gerade in ein anderes Abteil wechseln. Handy aus der
Hand gerissen, Handy zurückgerissen, Messer gezückt, gut, verkackt,
hier, bitteschön.
Ach: Ich wartete, bevor wir zum
Reservoir gingen, auf einem Parkplatz auf Sinakho. Ich saß neben
einem Auto, das einen platten Hinterreifen hatte. Steht hier wohl
schon länger, dachte ich. Stand es aber nicht, der Besitzer und dessen
Familie kamen kurz darauf zurück. Er solle vielleicht mal seinen Reifen
checken, riet ich ihm, als er einsteigen wollte. Oh, tatsächlich,
hm, gar nicht bemerkt, danke. Jetzt wechseln?, überlegte er. Hm, nein, er wolle
probieren, zur nächsten Werkstatt zu fahren. Stieg ein, fragte mich durchs Fenster,
wie sieht das aus?, ja, eher nicht so. Woraufhin er wieder ausstieg
und mit einer beeindruckenden Selbstverständlichkeit den Reifen
wechselte, mit sicheren Handgriffen und ganz ohne Murren oder irgendetwas, nicht einmal ein „so was Blödes“ kam ihm über die Lippen. Vielmehr unterhielt er
sich beim Reifenwechseln noch ein wenig mit mir, während seine Frau und sein Sohn (schätzungsweise) sich die Beine vertraten.





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