So, 20.11.16
Nach der Cango-Caves-Tour am Freitag
habe ich heute die Liste meiner erlebten Abenteuer erneut erweitert:
hiking up Lion's Head.
Der Lion’s Head (afrikaans: Leeukop) ist neben dem Tafelberg einer der Hausberge Kapstadts. Er ist mit 669 Metern Höhe zwar nicht so hoch wie der Tafelberg, auf Grund seiner Kegelform und exponierten Lage gilt er jedoch als einer der schönsten Aussichtsberge in der Tafelbucht.https://de.wikipedia.org/wiki/Lion%E2%80%99s_Head
Sinakho und ich fuhren mit einem
schweigsamen Uberfahrer zum Lion's Head und machten uns um kurz vor
drei an den Aufstieg. Die Sonne versteckte sich zwar hinter einer
Wolkendecke, die Luft jedoch war drückend warm, knapp unter 30 Grad.
Unten in der Stadt war es mäßig windig gewesen, am Fuße des Lion's
Head aber (und auch weiter oben) war es zumeist windstill.
Das erste Stück des Aufstiegs war ein
ansteigender Sandweg, gefolgt von – im Vergleich zur
Platteklip-Wanderung am Tafelberg – nicht allzu steilen Steinstufen
und -vorsprüngen. Wohl aufgrund der drückenden Hitze und der
körperlichen Aktivität fühlte Sinakho sich bereits nach kurzer
Zeit nicht mehr wohl, klagte über Übelkeit. Wir pausierten, gingen
weiter, doch es wurde nicht besser, eher im Gegenteil. Die Sonne kam
zudem hinter den Wolken hervor, zwar nicht stechend, aber doch
spürbar. Wir pausierten erneut und überlegten sogar, ob wir den
Aufstieg abbrechen sollten. Wir entschieden uns dann jedoch dafür,
noch ein Stück bis zur Schattenseite des Berges weiterzugehen. Dort
fanden wir einen Vorsprung, eine Art flache Höhle, wo wir uns erneut
ausruhten. Ich gab Sinakho meine Strickjacke als Kopfbedeckung. Als
es ihr besser ging, setzten wir den Aufstieg fort. Zum Glück ging es
von nun an stetig bergauf, nicht nur wandertechnisch, sondern auch
mit Sinakhos Wohlbefinden.
Wir kamen an eine Metallleiter, wenig
später auch an Metallketten und Griff-/Trittbügel, mittels derer
wir Steinwände erklommen. Abenteuer-Feeling kam auf.
Das letzte Stück des Weges war eine
ziemliche Kraxelei, aber auch die überstanden wir. Den gesamten
Aufstieg über wieder trafen wir immer wieder auf dieselben Leute,
mit einer jungen Frau und einem jungen Mann aus Johannesberg
unterhielten wir uns ein paar Mal.
Schließlich kamen wir auf dem Gipfel
an. Wir genossen die Aussicht, machten Fotos, ich spielte eine kurze
Weile Mundharmonika (das war aus irgendeinem Grund Teil unseres
Aufstiegsplans gewesen). Tatsächlich verbrachten wir rund 50 Minuten
dort oben.
Dann ging es wieder hinab. Der Abstieg
war wesentlich weniger anstrengend und schweißtreibend als der Weg hinauf, dauerte
dafür aber länger und ging mehr auf Beine und Knie. Wir probierten
noch ein, zwei Nebenwege aus, unterhielten uns am Ende von einem
davon mit einem sehr fitten Herrn mittleren Alters, der uns erzählte,
dass er oft hier hochkomme, der Lion's Head und der Tafelberg fühlten
sich für ihn nach Heimat an.
Wieder unten angekommen, es ging mittlerweile
gegen halb sieben, bestellten wir ein Uber. Unser Fahrer diesmal war
Friderich, weiß, um die 70. Friderich war sehr gesprächig, wir
unterhielten uns gut mit ihm. Direkt zu Beginn der Fahrt erzählte
er, dass sein Mittelname auch Andreas sei, Friderich Andreas
Böttcher. Ob ich Deutscher sei? Sein Vater sei auch Deutscher
gewesen, mit zwei Jahren sei er, Friderich, damals mit seiner Familie
auf der Flucht vor den Nazis nach Südafrika gekommen.
Friderich erzählte, er fahre Uber,
weil es ihm Spaß mache, er rede gerne mit seinen Fahrgästen und wolle außerdem mit jungen Menschen in Kontakt bleiben. Daneben arbeite er als Leiter eines Seniorenheims. Er zeigte
uns ein Bild seiner Tochter, die in der achten Klasse (also ca. 13
Jahre alt?) sei. Sein einziges Kind, er habe sie erst mit 55
bekommen. Seine Frau sei coloured, daher sehe seine Tochter ein wenig
asiatisch aus, meinte er. Kurz darauf überraschte Friderich uns mit
dem Kommentar (nach einem Blick in den Rückspiegel zu uns, die wir auf der Rückbank saßen), dass ihm
aufgefallen sei, dass Deutsche häufig etwas für dunklere Frauen übrighaben
(Sinakho: „Oh no, we're not dating!“). Von der Witzigkeit dieser
Aussage auf mehreren Ebenen mal abgesehen, finde ich es interessant,
dass Friderich sich selbst offenbar als Deutschen ansieht, oder
zumindest seine Wurzeln zu spüren scheint.
Am Ende setzte er uns an der Kreuzung
Lower Main/Station Rd ab, da seine Uber-App ihm etwas Falsches
anzeigte und er meinen Kommentar, wo er uns hinbringen solle, nicht
richtig verstand. Wir liefen also das letzte Stück.
Nach dieser kuriosen Uberfahrt
kochte ich uns Nudeln mit Gemüse, die wir im (windgeschützten)
Hinterhof bei stetig zunehmender Dunkelheit verspeisten.
Nun also auch Lion's Head: check! Hat sich gelohnt. Und unerwarteterweise hat mir sogar das Klettern Spaß
gemacht. Ich werde immer gebirgsaffiner, scheint mir.


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