Montag, 21. November 2016

Tag 107

So, 20.11.16
Nach der Cango-Caves-Tour am Freitag habe ich heute die Liste meiner erlebten Abenteuer erneut erweitert: hiking up Lion's Head.
Der Lion’s Head (afrikaans: Leeukop) ist neben dem Tafelberg einer der Hausberge Kapstadts. Er ist mit 669 Metern Höhe zwar nicht so hoch wie der Tafelberg, auf Grund seiner Kegelform und exponierten Lage gilt er jedoch als einer der schönsten Aussichtsberge in der Tafelbucht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Lion%E2%80%99s_Head

Sinakho und ich fuhren mit einem schweigsamen Uberfahrer zum Lion's Head und machten uns um kurz vor drei an den Aufstieg. Die Sonne versteckte sich zwar hinter einer Wolkendecke, die Luft jedoch war drückend warm, knapp unter 30 Grad. Unten in der Stadt war es mäßig windig gewesen, am Fuße des Lion's Head aber (und auch weiter oben) war es zumeist windstill.

Das erste Stück des Aufstiegs war ein ansteigender Sandweg, gefolgt von – im Vergleich zur Platteklip-Wanderung am Tafelberg – nicht allzu steilen Steinstufen und -vorsprüngen. Wohl aufgrund der drückenden Hitze und der körperlichen Aktivität fühlte Sinakho sich bereits nach kurzer Zeit nicht mehr wohl, klagte über Übelkeit. Wir pausierten, gingen weiter, doch es wurde nicht besser, eher im Gegenteil. Die Sonne kam zudem hinter den Wolken hervor, zwar nicht stechend, aber doch spürbar. Wir pausierten erneut und überlegten sogar, ob wir den Aufstieg abbrechen sollten. Wir entschieden uns dann jedoch dafür, noch ein Stück bis zur Schattenseite des Berges weiterzugehen. Dort fanden wir einen Vorsprung, eine Art flache Höhle, wo wir uns erneut ausruhten. Ich gab Sinakho meine Strickjacke als Kopfbedeckung. Als es ihr besser ging, setzten wir den Aufstieg fort. Zum Glück ging es von nun an stetig bergauf, nicht nur wandertechnisch, sondern auch mit Sinakhos Wohlbefinden.

Wir kamen an eine Metallleiter, wenig später auch an Metallketten und Griff-/Trittbügel, mittels derer wir Steinwände erklommen. Abenteuer-Feeling kam auf.

Das letzte Stück des Weges war eine ziemliche Kraxelei, aber auch die überstanden wir. Den gesamten Aufstieg über wieder trafen wir immer wieder auf dieselben Leute, mit einer jungen Frau und einem jungen Mann aus Johannesberg unterhielten wir uns ein paar Mal.

Schließlich kamen wir auf dem Gipfel an. Wir genossen die Aussicht, machten Fotos, ich spielte eine kurze Weile Mundharmonika (das war aus irgendeinem Grund Teil unseres Aufstiegsplans gewesen). Tatsächlich verbrachten wir rund 50 Minuten dort oben.

Dann ging es wieder hinab. Der Abstieg war wesentlich weniger anstrengend und schweißtreibend als der Weg hinauf, dauerte dafür aber länger und ging mehr auf Beine und Knie. Wir probierten noch ein, zwei Nebenwege aus, unterhielten uns am Ende von einem davon mit einem sehr fitten Herrn mittleren Alters, der uns erzählte, dass er oft hier hochkomme, der Lion's Head und der Tafelberg fühlten sich für ihn nach Heimat an.

Wieder unten angekommen, es ging mittlerweile gegen halb sieben, bestellten wir ein Uber. Unser Fahrer diesmal war Friderich, weiß, um die 70. Friderich war sehr gesprächig, wir unterhielten uns gut mit ihm. Direkt zu Beginn der Fahrt erzählte er, dass sein Mittelname auch Andreas sei, Friderich Andreas Böttcher. Ob ich Deutscher sei? Sein Vater sei auch Deutscher gewesen, mit zwei Jahren sei er, Friderich, damals mit seiner Familie auf der Flucht vor den Nazis nach Südafrika gekommen.
Friderich erzählte, er fahre Uber, weil es ihm Spaß mache, er rede gerne mit seinen Fahrgästen und wolle außerdem mit jungen Menschen in Kontakt bleiben. Daneben arbeite er als Leiter eines Seniorenheims. Er zeigte uns ein Bild seiner Tochter, die in der achten Klasse (also ca. 13 Jahre alt?) sei. Sein einziges Kind, er habe sie erst mit 55 bekommen. Seine Frau sei coloured, daher sehe seine Tochter ein wenig asiatisch aus, meinte er. Kurz darauf überraschte Friderich uns mit dem Kommentar (nach einem Blick in den Rückspiegel zu uns, die wir auf der Rückbank saßen), dass ihm aufgefallen sei, dass Deutsche häufig etwas für dunklere Frauen übrighaben (Sinakho: „Oh no, we're not dating!“). Von der Witzigkeit dieser Aussage auf mehreren Ebenen mal abgesehen, finde ich es interessant, dass Friderich sich selbst offenbar als Deutschen ansieht, oder zumindest seine Wurzeln zu spüren scheint.
Am Ende setzte er uns an der Kreuzung Lower Main/Station Rd ab, da seine Uber-App ihm etwas Falsches anzeigte und er meinen Kommentar, wo er uns hinbringen solle, nicht richtig verstand. Wir liefen also das letzte Stück.

Nach dieser kuriosen Uberfahrt kochte ich uns Nudeln mit Gemüse, die wir im (windgeschützten) Hinterhof bei stetig zunehmender Dunkelheit verspeisten.

Nun also auch Lion's Head: check! Hat sich gelohnt. Und unerwarteterweise hat mir sogar das Klettern Spaß gemacht. Ich werde immer gebirgsaffiner, scheint mir.

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