Fr, 25.11.16
Reisetage sind Wartetage. An einem Tag,
an dem man reisen muss, kann man noch so viel tun, unterbewusst ist
man die ganze Zeit im Wartemodus.
Heute Morgen um kurz nach zehn bin ich
ein letztes Mal zu Magnet gegangen. Ich habe meine Gitarre
mitgenommen, zwei Handtücher und meine restlichen Vorräte (ein paar
Nudeln, Kartoffeln, etwas Reis, Butter, Couscous, Butter,
Karamellcreme, Nutella). Die Gitarre geht an Themba (der heute Morgen
nicht da war), die Handtücher und die Vorräte haben sich zunächst
Meagan, Beviol und Luthando unter den Nagel gerissen (Beviol war sehr
besitzergreifend in Sachen Nutella), da sie als einzige in der Lobby
saßen, als ich ankam. Ich glaube aber nicht, dass sie alles behalten
haben: Margie hat auf meinen Vorschlag hin verfügt, dass alles unter
den Trainees aufgeteilt werden solle.
Ich half Margie noch kurz mit dem
Herunterladen der Fotos von gestern. Dann verabschiedete ich mich im
Büro von Jennie, Margie, Zukisani und Jenny H.; im Foyer von Meagan,
Natasha, Beviol, Lwanda, Emmanuel, der
Ex-Trainee-“Kudu“-Stagemanagerin, Luthando und Zizipho; im
Theater von Livie, Lwando und Honey. Alle Verabschiedungen fielen
sehr herzlich aus, aber nicht zu traurig, da ich viele
wahrscheinlich/hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft schon in
Deutschland wiedersehen werde. Und außerdem sind heutzutage alle
sowieso so gut online miteinander vernetzt, dass Abschiede kaum noch
Abschiede sind, selbst wenn man den Äquator überquert.
Um kurz nach elf verließ ich Magnet
Theatre, warf einen letzten Blick zurück und ging mit mittelschwerem
Herzen zurück in die Station Rd.
Dort hatte ich mich für halb zwölf
mit Sinakho verabredet, sie kam allerdings mit 15 Minuten Verspätung.
Der Grund: Heute war nicht nur Black Friday, sondern es war am frühen
Morgen auch ein LKW auf dem Freeway verunglückt, hatte sich offenbar
mehrmals überschlagen. Der Verkehr in Teilen Kapstadts stand beinahe
still.
Der Uberfahrer, der uns in die Stadt
brachte – ein netter dicker weißer Mann um die 30 –, fand aber
trotzdem einen Weg in die Bree Street. Dabei redete er sehr viel mit
uns und mit sich, kommentierte gern und viel das Geschehen um uns
herum. Schließlich setzte er uns vor einem Restaurant namens Culture
Club Cheese ab. Sinakhos und mein Plan war es nämlich, Fondue zu
essen. Leider war das jedoch nicht im Angebot; Fondue würden sie nur
im Winter anbieten, nicht im Sommer, wurde uns gesagt. Und heute war
nicht nur auf dem Papier ein Sommertag, sondern auch in der Realität.
Anders als die letzten zwei Tage war es heute angenehm warm und
sonnig.
Statt Fondue bestellten wir Raclette
(vorbereitet, nicht zum Selbermachen) und Camembert-Mac'n'Cheese,
beides teilten wir uns. Lecker war es, wenn auch der Käse ein
bisschen strenger war, als ich es mir vorgestellt hatte.
Da das Käserestaurant nicht nur kein
Fondue, sondern auch kein Eis hatte, das wir danach gern haben
wollten, fuhren wir wieder nach Obz. Der Verkehr war teils etwas zäh,
aber wesentlich weniger schlimm als erwartet.
In der Lower Main Rd bestellten wir uns
Smoothies bei Honey Bun, einem hübschen kleinen Laden. Wir setzten
uns an die offene Fensterfront, schlürften unsere Kaltgetränke und
beobachteten den Stau vor unserer Nase sowie einen Geldtransporter,
der einen Geldautomaten leerte oder befüllte, der auf jeden Fall von
einem Mann mit Maschinengewehr bewacht wurde.
Anschließend gingen wir wieder zu mir,
wo wir Ine aufsammelten. Ine und ich hatten ausgemacht, gemeinsam
Innocence auf Wiedersehen zu sagen und ein Foto mit ihm zu machen,
Sinakho kam des Spaßes wegen mit. Innocence war glücklich uns zu
sehen, nach ungefähr jedem Satz, den ich sagte, gab er mir die Hand.
„That's Ine, she's my friend, too!“, ja, weiß ich, wir wohnen
zusammen, ach ja, er erinnere sich, das habe ich ihm erzählt. Als
wir im offenbarten, dass ich heute und Ine sehr bald abreisen würden,
zückte er sofort sein Handy und bat einen Beisteher, den er offenbar
ebenfalls kannte, ein Foto von uns zu machen. Sinakho machte
gleichzeitig Bilder mit Ines Handy. Ine sagte danach, sie sei froh,
dass Innocence das selber vorgeschlagen habe, das mit den Fotos, und
wir das nicht hatten machen müssen.
Von Innocence aus gingen wir zu Spar in
der Station Rd, da ich auf der Suche nach einem Briefkasten war. Bei
Spar wurde uns aber die Info gegeben, dass der einzige nahe
Briefkasten tatsächlich der mir bekannte bei Pick n Pay war.
Eigentlich hatten wir vermeiden wollen, dort hingehen zu müssen, nun
taten wir es doch.
Bei Pick n Pay freute ich mich erneut
über den Tannenbaum in der Eingangshalle, dann warf ich meine letzte
Nacht noch quasi in letzter Minute geschriebenen Postkarten ein. Und
dann stand ein weiterer Abschied an, Sinakho bestellte sich ein Uber.
Selbes Prinzip wie bei Magnet, sehr herzlich, ein bisschen traurig,
aber nicht zu sehr.
Ine und ich gingen wieder in die
Station Rd. Ich packte den Rest, mein Koffer war dick und schwer.
Später am Flughafen wurde angezeigt, er wiege 27 Kilo, er hat also,
wenn ich mich recht erinnere, Gewicht zugelegt. Papier hauptsächlich,
so wie ich das einschätze.
Ich verabschiedete mich von Helen, dann
bestellte ich mir ein Uber. Nach der Fahrt in die Stadt am Mittag
hatte ich überlegt, frühzeitig loszufahren, damit ich für
Verkehrs-Eventualitäten gewappnet wäre. Später schien mir das aber
doch mehr Panik als nötig zu sein. Ich bestellte daher das Uber doch
erst gegen 16:20 Uhr. Zu der Zeit wollte eigentlich auch Justin da
sein, wie er mir am Morgen gewhatsappt hatte. (Außerdem hatte er
eine seltsame Nachricht geschrieben: „Oooh man! No any present for
me as it will be my rememberance,memories from my other Germany guy
from Europe if possible pls. Anything Andy :D :D :D“, aber ich
hatte kein Geschenk für ihn und hatte auch nicht vor, ihm eins zu
geben.) Er war aber nicht da war und ich hatte keine Lust, auf ihn zu
warten. (Am nächsten Tag sah ich eine weitere Nachricht von ihm,
geschrieben um 17:34 Uhr, ob ich ihm bitte die Tür öffnen könne.
Ine meinte zudem, er habe ihr geschrieben, ob sie meine Schlüssel
aufbewahren könne, da ich angeblich zum verabredeten Zeitpunkt nicht
dagewesen und er nicht in die Wohnung hineingekommen sei. Ich bin
ganz froh, dass ich ihm kein Geschenk gegeben habe.)
Ine begleitete mich hinaus, wir
verabschiedeten uns (ebenfalls sehr herzlich), dann stieg ich ins
Uber und ließ die Station Rd hinter mir. Mögen die nächsten Mieter
sich daran erfreuen und/oder sich über die Mängel, die Theresa
nicht richtig in den Griff zu kriegen bereit ist (Mäuse, Schimmel),
ärgern.
Mein letzter Uberfahrer in Südafrika war ein freundlicher Kerl, wir unterhielten uns gut. Dazu hatten wir auch etwas mehr Zeit, als es normal der Fall gewesen wäre, die Main Rd war feierabendtypisch dicht. Danach klarte es aber glücklicherweise auf und wir kamen gut durch.
Tinashe Lazarus war 24 und aus Zimbabwe – letzteres wie 80% der Uberfahrer in Kapstadt, wie er auf meine Nachfrage hin schätzte. Er probierte, mit mir über Fußball zu reden, deutsche Vereine, was aber bei mir auf weniger Freude stieß als von ihm wahrscheinlich erwartet. Dann probierte er es mit Autos, und ich spielte so gut wie möglich mit, damit wir ein Thema zum Reden hatten („Jaja, Mercedes ist auch meine Lieblingsmarke, klar...!“).
Tinashe Lazarus war 24 und aus Zimbabwe – letzteres wie 80% der Uberfahrer in Kapstadt, wie er auf meine Nachfrage hin schätzte. Er probierte, mit mir über Fußball zu reden, deutsche Vereine, was aber bei mir auf weniger Freude stieß als von ihm wahrscheinlich erwartet. Dann probierte er es mit Autos, und ich spielte so gut wie möglich mit, damit wir ein Thema zum Reden hatten („Jaja, Mercedes ist auch meine Lieblingsmarke, klar...!“).
Am Flughafen setzte er mich ab,
Handshake, ich ging hinein, gab meinen Koffer ab, ging durch die
Sicherheitskontrolle, reihte mich in die laaange Schlange vor der
Passkontrolle ein.
Nun sitze ich am Gate, es ist kurz vor
halb acht, das Boarding geht gleich los. Und das war Südafrika.
Mein Fazit?
Die Zeit der Vorbereitung auf den Aufenthalt hier war scheiße, die erste Zeit im Land nicht besonders schön. Clanwilliam war ein erster Höhepunkt, danach ging es aufwärts, erst recht nach meinen anderthalb Wochen zu Hause Mitte/Ende September. Seit meiner Rückkehr wurde es stetig besser, mit dem November als fabelhaftem Abschluss.
Ein Glück, dass es nicht wie im ersten Monat geblieben ist, so hat es sich doch noch gelohnt. Ich habe viel gesehen und erlebt, ich habe viel gelernt, ich habe viele tolle Menschen kennengelernt, die mich hoffentlich noch lange begleiten werden (mit Fernfreundschaften kenne ich mich ja mittlerweile schon aus). Und letztlich kann ich auch die negativen Erfahrungen, die ich in Südafrika gemacht habe, als wertvoll verbuchen. Nicht schön vielleicht, aber lehrreich. Was will man mehr?
Und damit kommt dieser Blog zu einem
Ende. Möglicherweise lade ich bald noch ein paar Fotos hoch,
diejenigen von Charlotte und Henri von der Garden Route nämlich,
sobald ich sie bekomme. Aber an und für sich ist dies der letzte
reguläre Eintrag. Vier Monate minus ein paar Tage Heimaturlaub, das
macht 112 Tage in Südafrika.
Sure man.




















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