Enttäuschung des Tages: Der Mann im Plattenladen begrüßte mich mit „The guitar!“, er hatte sie noch nicht mitgebracht. Er könne sie aber holen, er wohne um die Ecke. „Watch the store for me, I'll be right back“, sagte er und verschwand nach draußen. Keine halbe Minute später war er jedoch schon zurück, zerknirscht guckend, „Maybe I shouldn't sell it“. Vielleicht solle er sie doch behalten, seine Freundin spiele außerdem. Blöd, „I missed out on a sale“, aber was soll man tun. Er gab mir immerhin noch den Tipp, ich solle bei Cash Crusaders gucken, die hätten Gitarren. Der Laden hatte wegen des heutigen Wahltags (inkl. Feiertag deswegen) allerdings seit 20 Minuten geschlossen, als ich dort ankam.
Ein paar Fun Facts:
- Wir müssen drei Schlösser aufschließen, bevor wir im Haus sind: Tor außen, Gitter vor der Haustür, Haustürschloss.
- Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass nichts richtig trocknet und alles stunden- bis tagelang nass bleibt: Handtücher, Pfützen im Bad und sogar ein abgewischter Tisch. Außerdem kann man bisweilen seinen eigenen Atem sehen.
- Das Leitungswasser ist gechlort und trinkbar. Mir geht es zumindest nach einer Woche noch immer gut.
Do, 04.08.16
An der Straßenecke bei Magnet stand heute Morgen ein Uniformierter. Mit großem Gewehr. Und grimmigem Blick, den er umherschweifen ließ. Irgendwo werde wahrscheinlich Geld abgeholt, wurde mir erklärt, als ich meine Mit-Magnets fragte, was denn der Herr dort mache. Verrückt.
Bei Magnet konnte ich mit meinen profunden Deutschkenntnissen punkten, da wir Brechts Version von Antigone lasen und ich auf Marks Bitte hin schon vorab das deutsche Original gelesen hatte und somit Original und englische Übersetzung miteinander vergleichen konnte.
Kurz nach sechs bin ich zu Meghan gelaufen; wir wollten uns mit Aimee treffen, um in die Stadt zu fahren. Heute war nämlich „First Thursday“, d.h. der erste Donnerstag im Monat, an dem offenbar traditionell die Kunstgalerien in der Stadt bis spät und eintrittslos aufhaben. Ich war auf dem Weg zu Meghan schon den halben Weg die Main Road hinuntergegangen, als mich plötzlich jemand rief, „Andreas! Andreas!“. Verwirrt drehte ich mich um und sah Jay-Jay, unsere Bekanntschaft aus dem Café Ganesh von letzter Woche Donnerstag, der gerade auf meine Straßenseite wechselte. Wohin ich unterwegs sei, ja, Meghan's place, weil wegen dieses Kunstzeug, ob er davon gehört habe? Nein, aber er gucke sich das an, er schreibe mir, okay, cool, dann bis später vielleicht. Seltsam, wenn man in einer Stadt wie Kapstadt, in der man eigentlich kaum jemanden kennt, plötzlich doch Leute kennt und auf der Straße trifft.
Apropos auf der Straße: Noch bevor ich Jay-Jay getroffen habe, kamen mir eine Reihe Busse entgegen, die laut Leuchtschrift zum Ziel hatten (in dieser Reihenfolge direkt hintereinander): Eindhoven, Leiden, Strand. Verrückt.
Apropos auf der Straße: Noch bevor ich Jay-Jay getroffen habe, kamen mir eine Reihe Busse entgegen, die laut Leuchtschrift zum Ziel hatten (in dieser Reihenfolge direkt hintereinander): Eindhoven, Leiden, Strand. Verrückt.
Mit Aimee sind wir dann nach Downtown gefahren und haben in einer Straße geparkt, die – durchaus passend zu den Bussen von zuvor – Buitengracht heißt. Wir haben zwei Freunde von Aimee aufgelesen, Jessica und Matt, und sind als erstes in eine Galerie gegangen, in der Zee, Meghans und meine Antigone-Kollegin, und deren Freundin Kunst ausstellten. Im Falle von Zee waren das je zwei Polaroids auf weißem Papier, gerahmt und mit Bleistift-Beschriftung; im Falle von Zees Freundin Dioramas, die in dicke Bücher hineingebastelt und von innen beleuchtet wurden.
In den folgenden Stunden tingelten wir durch einige weitere Galerien, trafen uns mit Mitstudentin Linda und suchten recht lange nach Essen. Linda wurde auf dieser Suche fast ausgeraubt: Wir waren gerade dabei, über eine Straße zu gehen, als Linda hinter mir plötzlich erbost „What are you doing?“ ausrief und anscheinend eine andere schwarze junge Frau von sich wegstieß, oder diese lief zumindest zurück über die Straße, über die wir gerade gingen. „Whatever you took, give it back!“ Linda meinte, ihr Portemonnaie hätte wohl halb aus ihrer Tasche geguckt. Zum Glück hatte die andere, die einfach auf der anderen Straßenseite stehenblieb und Linda anschaute, jedoch nichts in die Finger kriegen können.
Letztlich fanden wir ein indisches Restaurant, in dem wir Dosa aßen; die anderen eine große Variante jeweils zu zweit, ich eine kleine alleine. Danach trennten sich unsere Wege und Aimee fuhr Meghan und mich zurück zu unseren jeweiligen Unterkünften.
Zum Schluss möchte ich noch bemerken: Irgendetwas am Straßenverkehr hier hat eine enorm verwirrende und beängstigende Wirkung auf mich. Und es kann nicht daran liegen, dass Leute einfach über Rot laufen, das kenne ich aus Montreal und Amsterdam. Ich glaube, es ist die Mischung aus a) obdachlosen Schwarzen, die zwischen zwei Fahrstreifen mitten auf vielbefahrenen Straßen herumlaufen, b) rasenden Minibus-Taxen, die ständig hupen und aus denen immer jemand herausguckt und -schreit, und c) dem Linksverkehr. Insbesondere der Linksverkehr macht das alles extrem unübersichtlich hier. Brr.









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