Fr, 05.08.16
Heute Morgen habe ich Justin kennengelernt. Justin („Not the Bieber, hohoho!“) ist ein kleiner lustiger schwarzer Mann, der für uns einmal die Woche saubermacht, und der sich sehr darüber freute („I knew it, he's a good one!“), dass es mir egal ist, ob in der Lampe in meinem Zimmer zwei der drei Birnen kaputt sind. Normalerweise kommt Justin mittwochs, aber wegen des Feiertags vorgestern kam er erst heute. Er reinigt die Gemeinschaftsbereiche, also Gänge, Wohnzimmer, Küche und Bad. Aber auch die Zimmer, wenn man ihn lässt. Ich habe Ine letzte Woche schon gefragt, ob ich ihm auch sagen könne, dass er mein Zimmer nicht zu putzen brauche. Sie meinte, ich solle einfach die Tür schließen, dann gehe er nicht hinein. Gesagt, getan.
Das erste Mal habe ich dann alleine den Jammie genommen und bin von der Med School über UC South zum Hiddingh Campus gefahren. Highlight dabei: Den Wolken dabei zuzusehen, wie sie über den Gipfel des Tafelbergs schwappen. Auch positiv war, dass Meghan und ich uns endlich an der Fakultät anmelden konnten (im Büro des Drama Department, in dem aus unerfindlichen Gründen eine große Anzahl prall gefüllter Luftballons lagen, von denen ab und an einer mit lautem Knall platzte, was von der Sekretärin jeweils mit einem spitzen Schrei quittiert wurde).
Der Kurs indes hat mich leider nicht begeistern können, obwohl die heutige Dozentin, Amy, sehr nett und kompetent und alles war, genauso wie die anderen Kursteilnehmerinnen. Mal schauen, ob ich den Kurs weitermache; ich verspüre momentan wenig Lust, zweimal die Woche durch die halbe Stadt zu tuckern, während ich auch beim Praktikum sein könnte, um im universitären Kontext über Theaterstücke zu reden – auch, wenn das Lesen dieser Stücke durchaus interessant und kurzweilig ist. Ich werde da noch mal in mich gehen.
Trotz angebotener Mitfahrgelegenheit von Aimee bin ich dann von Hiddingh aus zu Fuß nach Hause gelaufen. Die rund sechs Kilometer, u.a. auch durch The Company's Garden, habe ich bei schönstem Sonnenschein und mit einigen spontanen Abweichungen vom direkten Weg in eindreiviertel Stunden zurückgelegt. War ein schöner Marsch, bei dem ich ein wenig mehr von der Stadt habe sehen und frische Kapstädter Abgasluft habe atmen können. Trotzdem: Ich vermisse mein Fahrrad. Kein Scherz. Obwohl ich in dem gestörten Verkehr hier selbstredend nicht Fahrrad fahren wollen würde.
Wieder zu Hause angekommen, habe ich nach Öffnen meiner Zimmertür auf den ersten Blick gesehen: Justin macht doch auch geschlossene Türen auf. Und diese sofortige Erkenntnis stellte sich nicht ein, weil so offensichtlich war, dass er saubergemacht, sondern da er auch aufgeräumt hatte. Inklusive neu arrangiertem Schreibtisch, gemachtem Bett, aufgereihten Schuhen, abgewaschenem Restgeschirr und gefaltetem Nachthemd unter dem Kopfkissen. Zugegeben, es sah alles sehr hübsch aus, picobello. Zweckmäßig war es allerdings nicht; ich habe erst einmal einige Dinge zurückverändert, damit sie wieder praktischen Sinn ergeben. Ine meinte, das wäre hier wohl überall so, das würden alle Putzkräfte machen, und dass das womöglich sogar ein seltsames Überbleibsel aus der Kolonialzeit sei. Aber nein, ich werde Justin nächste Woche sagen, dass er hier doch bitte nicht aufzuräumen braucht. Zimmerservice im Hotel schön und gut, aber das muss dann doch nicht sein.
Weitere Fun Facts:
- Unsere Waschmaschine macht lustige Geräusche, wenn man auf ihre Knöpfe drückt, und spielt eine heitere Melodie, wenn ein Waschgang fertig ist. Wie ein sympathischer kleiner Spielautomat.
- Das hier ist die Website von Neo, dem Musiker, der bei unseren Antigone-Sitzungen dabei ist:
http://www.neosong.net/











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