Mo, 26.09.16
Hiermit melde ich mich zurück, der Heimaturlaub ist vorbei, er war sehr schön. Die Entscheidung, das Visum noch einmal korrigieren zu lassen, war die richtige gewesen.
Über die letzten anderthalb Wochen möchte ich an dieser Stelle nichts weiter schreiben. Und auch der heutige Tag bedarf nicht allzu vieler Worte. Der Flug war, ebenso wie der vor anderthalb Wochen, angenehm. Habe ich auf dem Hinflug noch vier Filme geguckt, waren es heute fünf volle und zwei kürzere. Während ich vor anderthalb Wochen beim Abendessen vergessen wurde und es deswegen erst später bekam, woraufhin sich das Frühstück um drei Uhr morgens noch früher als sowieso schon anfühlte, verlief diesmal alles reibungslos. Kollabierte letztes Mal nachts einem Mann vor mir der Kreislauf, was für einen kleinen Aufruhr sorgte, stellte ich heute lediglich fest, dass Emirates vorm Abflug gern R. Kellys „I Believe I Can Fly“ und nach der Landung gern Frank Sinatra im Flugzeug laufen lässt.
5h15 Hamburg-Dubai, 9h10 Dubai-Kapstadt, so die heutigen geplanten Flugzeiten. Tatsächlich kam ich pünktlich gegen 16:30 Uhr in Kapstadt an, mein Gepäck lag schon auf dem Laufband, mein Taxifahrer (derselbe wie bei meiner ersten Ankunft, Kenny?) stand schon im Ankunftsbereich. Er setzte mich in der Station Road ab, ich zahlte 550 ZAR für zwei Fahrten. Drinnen traf ich auf Ine, die mir erzählte, was mein Taxifahrer schon erwähnt hatte, nämlich dass seit dem Tag, an dem ich losgeflogen war, die Uni ausgefallen war. Dazu morgen mehr.
Und so fiel ich – ich hatte diesmal bis auf zwei sehr kurze Dämmerzustände im Flugzeug gar nicht geschlafen – zwischen sieben und acht ins Bett und war sofort weg.
Di, 27.09.16
Am heutigen Morgen erwachte ich dafür ausgesprochen ausgeruht. Das tageserste Problem stand jedoch bereits in der Tür, als ich um kurz vor neun zu Magnet gehen wollte. Tatsächlich war es die Tür, die das Problem war: Sie ließ sich nicht öffnen. Das mittlere Schloss, das der Gittertür vor der Haustür, widersetzte sich meinem Schlüssel vehement. Fünf Minuten lang probierte ich auf alle möglichen Arten, die Tür zu öffnen, erfolglos. Ich weckte Ine, damit sie ausprobieren konnte, ob es mit ihrem Schlüssel womöglich funktioniere. Was es tatsächlich tat. Wir stellten fest, dass früher am Morgen, als sie die Mülltonne an die Straße gestellt hatte, ein Stück ihres Schlüssels im Schloss abgebrochen und steckengeblieben sein musste. Wir ließen folglich die Gittertür erst einmal unabgeschlossen. Am Abend hatte Ine Meldung von Theresa, dass die Handwerker für morgen bestellt seien.
Bei Magnet begrüßte mich Jenny H., kurz darauf Margie, und noch ein wenig später Nwabisa. Meghan ist momentan nicht hier, da sie in Kalifornien bei der Hochzeit ihrer Schwester ist, noch bis Anfang nächster Woche. Sie hat allerdings einen Plan hinterlassen, was weiterhin zu tun sei bei den Dingen, an denen sie gearbeitet hatte. Halbwegs damit in Einklang verabredete ich mit Margie, einigen Menschen wegen des Ekhaya-Crowdfundings und des Culture-Gangs-Showcase E-Mails zu schreiben, sowie meine Facebook-Freunde mit der Kampagne zu belästigen. Als ich damit für heute fertig war, widmete ich mich wieder meinen Clanwilliam-Fotos, von denen ich am Ende des Tages tatsächlich schon einmal die ersten fünf Tage hochladen und verbreiten konnte. Ich bin auf der Zielgeraden, würde ich sagen, spätestens übermorgen will ich fertig sein damit.
Noch zur Schließung des Campus: Die #feesmustfall-Bewegung ist zurück, landesweit gibt es wieder Proteste, und landesweit haben die Unis den Lehrbetrieb vorübergehend eingestellt. Ich habe heute eine lange E-Mail von einem Professor Evance Kalula bekommen, weitergeleitet an mich vom Internationalen Büro der Universität von Amsterdam. Darin geht Kalula darauf ein, wieso die UCT momentan und noch mindestens bis Ende der Woche geschlossen ist (Sicherheitsbedenken bzw. sie wollen die Sicherheitsmaßnahmen nicht erhöhen, um eine weitere Eskalation zu verhindern) und was für Auswirkungen das auf das Semester hat (es wird wahrscheinlich um zwei Wochen verlängert, damit alle Prüfungen stattfinden können usw.). Insbesondere für die internationalen Studenten könnte das wohl problematisch werden; an einer Lösung, d.h. einer Einigung mit den Demonstrierenden, werde jedoch gearbeitet.

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