Sonntag, 4. September 2016

Tag 34

Mo, 29.08.16
Nach einer etwas unruhigen Nacht – der dicke Brummer, den wir im Zimmer hatten, beruhigte sich zwar, als wir das Licht löschten, aber Brandon stand früh auf, da er zur Schule musste, und irgendwie tat er das zweimal, hatte zumindest ich den unruhig schlafenden Eindruck: einmal sehr früh, wie er mir später erzählte, um joggen zu gehen, und dann um sechs Uhr ganz – tat ich um halb acht das einzig Logische, wenn man einen Pool im Garten hat und die Sonne kurz davor ist, über die Bergkuppen zu klettern. Es war eiskalt, aber ganz wundervoll. Ich war völlig allein im Garten, abgesehen von einer B&B-Dame (die Inhaberin?), die einmal kurz vorbeikam, fragte, ob es nicht sehr kalt sei, und meinte, sie sei very impressed von mir. Die heiße Dusche danach war zwar sehr nötig, aber hach, war das schön.
Zukisani und ich machten uns danach auf den Weg zu Spar, um Frühstück zu besorgen, gingen dann aber nur zu einer Art Kik, da Zuks sich Socken kaufen wollten und wir keine Zeit mehr für den Supermarkt hatten. Später habe ich mir sagen lassen, Frühstück gäbe es auch an unserem Mahlzeiten-Ort; das klang gestern Abend anders, daher waren wir heute nicht da. Wir gingen also direkt zur Halle, wo wir Dinge taten wie mehr Stöcke schneiden, Laternengerüste bauen, Kerzen schneiden, Kerzen anbrennen und Müll sammeln. In der Halle wurden zudem sogenannte structures gebaut, große dreidimensionale Gebilde aus Rohrstock, die später zu einer riesigen Gottesanbeterin zusammengesetzt werden sollen. Ab und zu hatten wir sogar nichts zu tun. Themba meinte aber, das möge vielleicht manchmal am ersten Tag so wirken, aber das werde sich noch ändern.

Um eins gab es Mittagessen, Hot Dogs mit Salat. Zuks und ich gingen nach dem Essen kurz ins Gästehaus zurück; unser Zimmer war derweil geputzt und die Betten gemacht worden. Ich holte meinen Hut, der mir den Tag über tatsächlich sehr gute Dienste leisten sollte: Es war im Schatten angenehm, in der Sonne heiß. Zurück an der Halle warteten wir auf die Kinder, die dann auch ab 14:20 Uhr erst langsam, dann immer zahlreicher eintrudelten. Wir beschäftigten die ersten paar mit einer Art Plumpssack-Spiel, bevor sie in Gruppen zu einer Tribüne an einem angrenzenden Fußballfeld geführt wurden. Dort wurden die Kinder nach Klassenstufen aufgereiht. Die Magnet Trainees und die Drama Students unterhielten die Kinder mit Liedern und Geschrei aller Art. Die Kleinen mussten an das Thema des Festivals herangeführt, bei Laune gehalten und davon abgehalten werden, Gelegenheit zum Zu-laut-Sein und Randalieren zu finden. Es kamen mehr und mehr Kinder dazu, bis schließlich eine Hälfte der Tribüne so gut wie voll war. Dann schickte Mark die Kinder, wieder nach Klassenstufen, d.h. auch nach Altersgruppen aufgeteilt, zu ihren jeweiligen Workshops, an denen sie heute teilnehmen sollten. Die ältesten Kinder, so schätzungsweise um die 16 Jahre alt, durften selbst auswählen, was sie machen wollten (Tanz, Schauspiel, Musik, Trommeln). Die besten Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser ältesten Gruppen werden am Sonntag beim Abschlussspektakel mitwirken.

Ich machte mich irgendwann auf, Fotos von den überall auf dem Gelände verteilten Grüppchen zu machen. Überall spielten Trainees und Drama Students mit den Kleinen Spiele und erzählten ihnen die Geschichte des Katzenfell-Magiers. Ich machte einige schöne Aufnahmen, bis ich Livie und Zuks bei einem Spiel half und mit klitzekleinen Kindern Zug spielte, also im Gänsemarsch mit ihnen durch die Gegend spazierte und „train train, tsch-k, tsch-k / train, train, tsch-k, tsch-k / … / tuuu tuuuut! tuuu tuuuut! / train train...“ machte.

Dann wurden die Kleinen in neue Workshops gesteckt, diesmal hauptsächlich in der Halle. Darunter: Tanz, Drama, Laternenbauen. Zu letzterem wurde alsbald ich von Jennie abbestellt, da dort noch facilitators gebraucht würden. Und puh, wie die dort gebraucht wurden. Laternenbauen, das bedeutet, aus vier langen und vier kurzen Rohrstöcken sowie mindestens acht schwarzen Klebestreifen eine Pyramide zu basteln. Ich war die ganze Zeit am Hin- und Herlaufen, um Kindern, die mich auf Afrikaans ansprachen, auf Holländisch zu antworten, ohne zu wissen, was genau sie von mir wollten. Die meisten wollten allerdings, das verstand ich schnell, dass ich ihnen Klebestreifen abriss, was ich bereitwillig tat. Eine Gruppe von drei oder vier Mädchen war besonders hartnäckig, bei ihnen stand ich am häufigsten und längsten. Wenn ich gerade nicht Klebestreifen abriss oder vage Antworten auf Holländisch gab, fing ich Kinder ein, die andere Kinder mit Stöcken schlagen wollten. Das waren nicht viele, aber ein paar genügen. Ein kleiner Junge wandte sich an mich, irgendwie lethargisch, ich verstand kein Wort. Ich verwies ihn an die vorbeilaufende Em-Jay, die mir dann übersetzte, er habe gemurmelt, die anderen würden ihn stören. Tiefgründiges Kind offenbar.

Nach 20 bis 30 Minuten war das Spektakel dann für heute vorbei, es war 17 Uhr und die Kinder wurden nach Hause geschickt – was gar nicht so einfach war, viele wären eindeutig gern noch ein wenig länger geblieben. Nach einer weiteren halben Stunden konnten wir uns auf den Weg machen zurück zum „Living Landscape“-Gelände, wie die Herberge, wo die anderen nächtigen, anscheinend heißt. Dort mussten wir erstaunlich lange, anderthalb Stunden nämlich, aufs Abendessen warten. Einige nutzen die Zeit für etwas Yoga-Ähnliches, andere ließen sich von Themba das Herumwirbeln von Fackelstäben (die am Sonntag brennen werden) beibringen.

Um sieben gab es dann Essen, irgendein wilder Eintopf mit Reis, Salat und Brot. War okay. Mit Nolan ging ich noch einmal zum Gästehaus, nur um kurz vor der Ankunft dort festzustellen, dass nicht ich den Schlüssel zu unserem Zimmer hatte, sondern Zuks. Aber nicht so schlimm, ich legte meinen Hut unter ein Tischchen und verzichtete auf alles weitere (Kameraobjektiv wechseln z.B.). Zurück in der Halle, wieder große Runde wie gestern, ein wenig Feedback geben bzw. anhören über den ersten Tag. Lavona bemerkte, dass es sehr hilfreich gewesen sei, dass die Magnet Trainees dank dem „Early Years Theatre“-Zweig von Magnet Erfahrung im Umgang mit Kindern haben. Das sei dem gesamten Team zu Gute gekommen; der Tag sei einer der ruhigsten Workshop-Tage gewesen, den Lavona je erlebt habe. Auch andere äußerten sich positiv, z.B. auch über die Workshops, die einige von ihnen heute Morgen in der Schule hier im Ort gegeben hatten.
Danach bauten alle weiter Laternen bzw. reparierten einige von denen, die die Kinder nachmittags gebastelt hatten. Von einhundert-irgendwas-undzwanzig, die wir hatten, wollten wir auf 200 hoch. Ob das bereits geklappt hat, weiß ich nicht; ich habe zumindest drei oder vier neue Laternen beigesteuert, bevor ich mich eine Weile mit Namasan, dem Trommel-Oberhaupt, der dieses Jahr sein 12. Festival miterlebt, unterhielt und dann mit Em-Jay eigentlich schon geschnittene Rohrstöcke neu nach Größe sortierte und neu zuschnitt/korrigierte.

Um kurz nach zehn war dann wieder Feierabend. Wir gingen zurück zum Living Landscape und dann ins Gästehaus. Ein sehr schöner erster „echter“ Clanwilliam-Tag war das. Anstrengend zwar, aber nicht übermäßig anstrengend. Bisher geht’s mir noch sehr gut und ich freue mich auf die nächsten Tage.

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