Di, 30.08.16
Langsam fange ich an, die Anstrengung zu spüren. Der heutige Tag war ungefähr drei Tage lang.
Er fing damit an, dass Zuks und ich zum Living Landscape gingen und dort frühstücken (ein paar Cornflakes). Draußen war es ungewöhnlich frisch und neblig: die Ruhe vor dem Sturm, wie sich später herausstellen sollte, es wurde nämlich noch richtig heiß. An der Halle/dem Feld, den Showgrounds, machten wir mit den Laternen weiter. Themba bekam die Tür zu dem Raum nicht auf, in dem seine Werkzeuge gelagert waren, auch nicht mit vielfacher Unterstützung und nach geraumer Zeit. Irgendwann fuhr er dann los, um sich einen neuen Schlüssel machen zu lassen, was dann auch tatsächlich zum Erfolg führte. Ich half Venus, Sisi und Angelo dabei, Leim fürs papering der Laternen anzurühren und probierte zwischendurch, Em-Jay irgendwie zur Seite zu stehen, die am Morgen von einem Sterbefall in der Familie gehört hatte. Und außerdem machte ich natürlich viele Fotos; das hat sich doch recht schnell als mein Hauptjob hier herauskristallisiert. Irgendwann half ich mit, die gestern präparierten Kerzen mit Drähten zu umwickeln; dann schnitt ich für die Art Students Pappteller in Hälften.
Zum Mittag gab es Hack-Kartoffel-Eintopf mit Salat und einem südafrikanischen frittierten Gebäck, dass sich passend Fettkoek nennt. In Marks und Jennies Haus, direkt neben dem Living Landscape gelegen, lud ich Fotos vom Vortag, dem ersten Festivaltag, auf die Magnet-Facebookseite hoch. Als ich mit Magnet-Trainee Emanuel zusammen wieder an den Showgrounds ankam, kamen auch schon die ersten Kinder. Ich führte eine Gruppe zur Tribüne, wo das gleiche Spektakel wie gestern stattfand. Die Kinder trudelten jedoch nur langsam und recht spät ein, wodurch das Ganze zu lange dauert, wodurch wiederum Kinder in der Hitze unruhig und durstig wurden und zum Wasserhahn liefen, wodurch letztlich Mark grumpy wurde und die facilitators kurz zusammenstauchte. Allgemein verstehe ich Marks Rolle in dem Festival nicht ganz. Er guckt sich alles an, hält sich aber im Hintergrund und macht selbst kaum etwas. Zumindest scheint es so; wie viel Organisation er doch noch zu tun hat, kann ich nicht abschätzen.
Als die Kinder (mehr als gestern) doch endlich da waren, wurden sie wieder nach Klassenstufen sortiert auf Workshop-Gruppen verteilt, die wieder auf dem ganzen Gelände Spiele spielten, die Motto-Geschichte zu hören bekamen und so weiter. Nachdem ich ordentlich Fotos gemacht hatte, probierte ich Honey, dem Magnet-Techniker-Gehilfen, zu helfen, der eine kleine Gruppe zu leiten versuchte und damit restlos überfordert war. Da er kein Afrikaans und nur sehr unsicher Englisch spricht, war die Kommunikation und damit die gesamte Aktivität zum Scheitern verurteilt. Ich wusste auch nicht richtig, inwieweit ich eingreifen sollte, und hielt mich daher eher zögernd zurück. Wir retteten uns übers Ziel, aber drei kleine Jungs in der Gruppe mutierten zu echten Störenfrieden. Immerhin kam Lavona nicht noch einmal an. Sie hatte davor eine größere Gruppe Kinder zur Ordnung gerufen, und zwar mit viel Rumgebrülle. Geklappt hat es, aber den pädagogischen Wert ihrer Vorgehensweise halte ich für sehr fragwürdig. So lieb und nett sie im Umgang mit uns allen auch ist, in Sachen Kindererziehung/Lehrerberuf halte ich ihren Ansatz für eher unvorteilhaft, um es gelinde zu formulieren.
Nachdem Honey und ich die Kinder abgegeben hatten, machte ich mich wieder ans Fotografieren, und danach wieder ans Helfen in der Laternenbaugruppe (selbes Spiel wie gestern). Und dann war nach zwei, zweieinhalb Stunden auch schon wieder Schluss mit Workshops für den Tag. Die Kinder strömten vom Gelände, wir riefen ihnen „bye“ zu, einige der Kleinen warfen sich für ein Foto in (eine für das Alter durch die Bank seltsam mackerhafte) Pose. Ein kleiner Junge, mit dem ich vorher noch nichts zu tun gehabt hatte, umarmte mich auf Bein-bis-Bauch-Höhe. Und wir facilitators waren alle K.O. und freuten uns, dass wir es geschafft hatten. Die Hitze, die große Anzahl der Kinder und deren größere Bereitschaft zum Verrücktes-Zeug-Machen hatten uns allen zu schaffen gemacht.
Daher war die Idee Nolans, alle zu einer kurzen Poolparty zu uns ins Gästehaus einzuladen, die eindeutig bestmöglich. Nachdem ich schnell meine Tasche inkl. Laptop aus Marks und Jennies Haus geholt hatte, stieß ich mit nur ein wenig Verspätung dazu, gerade rechtzeitig zum Gruppenfoto. Danach sprang ich ins Wasser, das wieder durchaus kalt warm, aber nicht so kalt wie am Morgen zuvor. Ich blieb eine ganze Weile drin, bevor ich die Tatsache ausnutzte, dass ich direkt neben dem Pool ein Zimmer mit einer Dusche habe, die heißes Wasser speit. Danach gesellte ich mich wieder zu den anderen, bis wir alle zum Living Landscape zurückgingen, um dort zu Abend zu essen.
Es gab Gemüsematsch mit Hühnchenstückchen darin, dazu Gebäckstückchen und Reste vom Fettkoek. Insgesamt lecker. Danach unterhielt ich mich eine Weile mit Em-Jay, Angelo und Philani; Emilio erzählte davon, wie er einmal mit dem Auto durch einen Regenbogen gefahren sei und wie toll die Erfahrung gewesen sei. Verifizierungsversuche via Google-Suche nach ähnlichen Erlebnisse, gar mit Bildbeweis, scheiterten leider, auch an der begrenzen Datenkapazität des benutzten Handys. Guter Punkt übrigens: Weder in unserem Gästehaus noch auf dem Living-Landscape-Gelände noch auf den Showgrounds, sondern einzig in Marks und Jennies Haus gibt es hier Wifi. Daher kommen diese Blogposts auch alle mit Verspätung.
Zurück in der Halle für die letzte Schicht des Tages habe ich hauptsächlich Fotos gemacht, aber auch aufgeräumt und schräge Laternen auseinandergebaut. Es gab noch Nachtisch, warme Apfelstücke mit Kekskrümeln und Pudding (lecker). Gegen halb elf fuhr ich im Magnet-Minibus mit zurück zum Living Landscape und dann weiter zu unserer Bleibe.
Irre, wie lang der Tag war. Alles, was passiert, verschwimmt. Übrigens, irgendwann heute, glaube ich, habe ich auch mit Themba, nein, stimmt nicht, das war gestern Abend, kurz an einer der großen Rohrstock-Figuren gearbeitet. Jedenfalls: Wir sind im Grunde schon eine Woche hier. Auch, da wir die ganze Zeit alle miteinander zu tun haben und direkt familiäre Stimmung aufkommt. Dabei haben wir erst zwei von sieben (vollen) Tagen hinter uns. Auweia. Ich sollte jetzt dringend schlafen gehen.
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