Mi, 31.08.16
Nach dem Frühstück (Schokoflakes) sind wir zu den Showgrounds, wo ich beim Candling der Laternen geholfen habe (bedrahtete Kerzen in die Rohrstock-Laternen basteln). Dabei haben wir laut Lieder gesungen, zunächst hauptsächlich Volks- und Kinderlieder. Ich habe den anderen „Simsalabimbambasaladusaladim“ beigebracht, was anstatt durch den eigentlich weiteren Text spontan mit „Zimbabwe“ ergänzt und geloopt wurde.
Mit Themba und einigen anderen bin ich dann erst zur Schule, wo die heutigen Schul-Teams gerade Workshops gaben bzw. gerade nicht, da große Pause war. Themba musste etwas abholen, glaube ich. Und ich habe jetzt die Schule gesehen. Mir wurde später erklärt, dass es so anders als die Nachmittags-Workshops da nicht ist, nur eben in regulierterem Kontext. Ich werde also wohl nicht mehr hingehen dort.
Nach dem Abstecher zur Schule haben wir mit dem Bus sperrige Sachen aus Marks und Jennies Haus abgeholt. Danach gab es an den Showgrounds eine Pause inkl. Snacks, dann wurde weitergecandlet. Der nächste Tagesordnungspunkt war Mittagessen (Toast mit u.a. Eiersalat). Meine Foto-Auswahl von gestern habe ich anschließend nicht hochgeladen, da Mark und Jennie kein Datenvolumen mehr für diesen Monat (der nun ja praktischerweise um ist) hatten. Stattdessen ging es also recht direkt zu den Showgrounds zurück. Die ersten Kinder kamen bald; wieder nahmen die Aktivitäten auf der Tribüne nach dem selben Muster wie die letzten zwei Tage ihren Lauf. Ich konzentrierte mich bei den einleitenden Singspielen darauf, Fotos der Kleinen zu machen. Es sind einige ganz tolle Aufnahmen entstanden.
Ich habe außerdem einige neue Freundinnen und Freunde gemacht. Eine Zweit- oder Drittklässlerin, Flechtzöpfe, die ausgesprochen smart wirkte, suchte subtil meine Aufmerksamkeit und die meiner Kamera. Mit einer Erstklässlerin, miniklein, die direkt vor mir saß, blauer Hoodie, warf mir die ganze Zeit schüchterne Blicke zu und grinste dann verschämt, wenn ich diese Blicke erwiderte. Das Blaupulli-Mädchen habe ich später noch mal im Kunstraum wiedergetroffen, auch da haben wir ein bisschen geschäkert. Überhaupt ist es mit vielen Kindern recht einfach, in eine Art Kontakt zu kommen. Wenn sie dich angucken, grins sie frontal an, das bricht bei den allermeisten sehr schnell das Eis und sie freuen sich, dass sich jemand für sie interessiert. (Und sie nicht anschreit wie Lavona oder Angelo, was mich im Übrigen zunehmend sauer macht. Lärmende Kinder schön und gut, aber deshalb wie Angelo die Tribüne zusammenzubrüllen und den Fünf- bis Zehnjährigen zu erzählen, sie sollen ein bisschen Respekt zeigen, weil wir extra für sie von weit weg gekommen sind, ist doch ziemlich fehl am Platze.) Auch die pfiffige Viertklässlerin aus der Mädchengruppe vom Laternenbauen am ersten Tag winkte mir wieder zu, als sie mich sah, und verabschiedete mich später, wieder bei der Laternen-Station, mit einer Umarmung.
Nachdem alle Kinder wieder zu den verschiedenen Workshop-Stationen geschickt worden waren (und ich vorne auf der Tribüne mit Kerim leise Musik gemacht hatte, er inkl. Gitarre, die er zuvor gespielt hatte), ging ich zur Aufführung des Magnet-Kinderstücks „Aha“, das das Material Wolle erforscht. Beviol, Zizipho, Emanuel und Luthando spielten, die Kinder waren begeistert, und ich um ehrlich zu sein auch. Eine schöne Inszenierung, nicht nur für Kinder lustig (aber natürlich hauptsächlich dank der Freude der anwesenden Kinder sehenswert).
Danach ging ich in die zum Kunstatelier umfunktionierte Küche, wo eine Gruppe Erstklässlerinnen und Erstklässler herumwuselte, eine enorme Lautstärke produzierte, mit Wachsmalstiften Papierstücke anmalte und einem letztere auch gerne präsentierte, und einfach allgemeine enorm goldig war. Im Hallenteil vor der Küche arbeiteten einige etwas ältere Kinder unter Aufsicht an Collagen; im Hallenteil daneben wurde mit viel Elan, getanzt sowohl von unseren Tänzerinnen Dani und Jenna als auch von der Kindern (ein Tanz mit dem Text „Michael Jackson“).
Ich ging kurz nach draußen, da war aber nicht mehr viel los, daher ging ich wieder zu den putzigen Kunstschaffenden in der Küche. Nachdem diese zu einer anderen Station weitergeleitet worden waren, schaute ich bei den Laternen vorbei, bei denen mittlerweile das papering begonnen hatte, d.h. das Ummanteln der bekerzten Laternen mit eingeleimtem Papier. Danach ging ich zur letzten Station, einer, die ich bisher noch nicht besucht hatte: den steel drums draußen unter den hohen Bäumen neben der Halle. Konkave Trommeln aus Stahl, offenbar aus der Karibik/Trinidad und Tobago. Ganz toller Klang, ich hätte dem Spiel der (zumeist älteren) Kinder stundenlang zuhören können. Leider war es aber schon nach fünf, und nach einer guten Überziehzeit wurde auch die Trommelsession beendet.
Da es heute den ganzen Tag über wolkig und ziemlich kalt war, hatten wir mittags schon Sorge, dass der Tag wohl nicht so, nun ja, sonnig werden würde. Doch das Gegenteil war der Fall, die Stimmung war toll und der Nachmittag superschön. Meghan, Em-Jay und Luthando, die am Morgen alle geschwächelt hatten, waren nachmittags wieder dabei und konnten sich fast einschränkungslos beteiligen. Einfach ein wunderbarer Nachmittag.
Zurück an den Living Landscapes hat Themba mir das Zimmer im Dachgeschoss des White House gezeigt, das er und Honey bewohnen, sehr schick. (Unten im selben Haus proben die Musiker.) Wir gingen jedoch direkt wieder runter und setzten uns unten zu Trommler Namasan, Musikchef Sean, Künstler Rain und einer etwas unsympathischen Kunsttante, deren Namen ich nicht kenne. Dann wurden alte Clanwilliam-Geschichten erzählt, darunter auch einige der Festival-Leitgeschichten aus der Sammlung der San, die teils wohl noch grausamer waren als die diesjährige mit den Katzenfellen. Um sechs schaute ich mir Thembas Feuerstab- bzw. Zacs Feuerketten-Einweisung an und unterhielt mich dabei gut mit Kerim. Um sieben gab es Essen, Stampfkartoffeln mit Hack. Danach kurze Gitarren-Jam mit Kerim und einigen anderen, bevor wir wieder zu den Showgrounds mussten. Erneute Runde mit allen, kürzer als die Tage davor. Dann ging es ans Papern der Laternen und ans Weiterbauen der mittlerweile wirklich großen und beeindruckenden structures. Bei letzterem half ich mich, da ich keine Lust aufs Rumkleen mit Leim hatte. Ich half daher Jennies und Marks Tochter Hannah beim Bauen ihrer riesigen Gottesanbeterin, indem ich kleine Kreise aus Rohrstock baute. Um zehn gab es für einige Am-Sonntag-Tanzwillige noch einen Tanzworkshop von Vuvu und Paxton, der mich ziemlich beeindruckt hat, so schnell und kompliziert waren die Bewegungen und deren Kopie von den anderen. Und dann ging es endlich wieder an die jeweiligen Schlaforte zurück.
Auch dieser Mittwoch war ein langer Tag. Mark meinte in der Runde, jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, an dem traditionell alle müde und erschöpft werden. Aber gerade jetzt gebe es noch viel zu tun und wir müssen alle Kraftreserven zusammennehmen und in den nächsten Tagen Gas geben. In diesem Sinne: Gute Nacht.
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