Dienstag, 6. September 2016

Tag 37

Do, 01.09.16
Der heutige Tag begann frisch, ab und zu nieselte es minimal. Nach einem knappen Müsli-Frühstück ging es wieder an die Arbeit an den Showgrounds. Ich baute an der Gottesanbeterinnen-Skulptur von Hannah mit, indem ich Rohrstock-Ringe bastelte, die als Rippen/innere Verstärkung des Skeletts dienen.

Eigentlich wollte ich heute Morgen mit in die Schule zu den Workshops dort. Den Plan hatte ich dann jedoch wieder fallengelassen. Nolan meinte heute Morgen allerdings, es würde sich schon lohnen. Daher bin ich dann doch spontan mit Themba und Em-Jay Snacks vorbereiten gegangen und dann in die Sederberg Primary School gefahren. Em-Jay kam zunächst auch mit, entschloss sich dann aber, als wir an der Schule war, doch dafür, wieder mit Themba zurückzufahren. Ich hingegen ging erst in den Kunst-Workshop, dann zu Drama, zu Drumming, zu Musik, zu Tanz und noch einmal zu Drama. Rain und Dom ließen die Kinder kleine Büchlein basteln; Beviol, Kim und Clement machten Theaterübungen; Namasan und Thandi ließen im großen Kreis trommeln; Meagan, Kerim und Brandon spielten ein Rhythmus-Spiel; und Paxton und Vuvu übten einen Tanz ein. Dadurch, dass die Workshops in Klassenzimmer-Settings und mit im Schnitt älteren Kindern stattfanden, unterschied sich die Atmosphäre tatsächlich stark von der auf den Showgrounds (wo ich allerdings auch mit den Älteren bislang nicht so viel zu tun hatte). Ich habe in knapp zwei Stunden viel gesehen. Und es war die richtige (Zufalls-)Entscheidung, keinen ganzen Vormittag dazubleiben, der halbe hat locker gereicht.

Zurück zu den Living Landscapes, Mittagessen, Fotos von den beiden Vortagen hochgeladen. Zu den Showgrounds. Es ging wieder auf die Tribüne, den stand, wo erneut laut Singspiele gespielt und eigens für das Festival komponierte Lieder um die Festival-Geschichte herum mit den Kindern eingeübt wurden. Das kleine pfiffige Rastazopf-Mädchen vom Vortag war wieder da und schlug sich theatralisch die Hände vor die Augen, als sich unsere Blicke kreuzten.

Jennie bat mich, von der Aufführung eines weiteren Magnet-Kinderstücks Fotos zu machen. „Paired“ dreht sich um Schuhe. Wie die Aufführung vom Vortag war auch das Schuhstück sehr schön gemacht, und es hat Spaß gemacht, Meagan, Natasha, Lwando und Livie zuzusehen.

Danach bin ich zurück auf die Tribüne, wo die kleinsten Kinder, R (quasi Kindergarten) und erste Klasse, mit Buntstiften beschäftigt wurden. Das kleine Blaupulli-Mädchen von gestern war ebenfalls dabei, und ich habe sogar ein Foto von ihr mit ihrem Zickzacklinien-Bild machen dürfen.
 

Und dann geschah auf der Tribüne etwas, was meine Laune für eine Weile stark angegriffen hat. Eine der facilitators dort war Zanne (sprich: Saan), eine Einwohnerin von Clanwilliam, die schon mindestens ein paar Jahre bei dem Festival dabei ist. Ich sah sie plötzlich in der Mitte der Tribüne an der Kante stehen, in beiden Händen die Fußgelenke eines kleinen Jungen, der kopfüber den Abgrund hinunterbaumelte. Dann zog sie ihn wieder hoch und schimpfte mit ihm, dass er das nicht mehr machen solle. Ich schloss, dass das Kind beinahe hinuntergefallen wäre und sie ihn gerade noch zu packen bekommen habe. Auf meine erschrockene Nachfrage hin meinte San aber, nein, sie habe ihn dort hingehängt. Sie habe ihn zweimal ermahnt, nicht auf dem Geländer zu sitzen, und jetzt habe sie ihm zeigen wollen, was passieren könne. Total entgeistert habe ich Zanne erklärt, was ich davon halte, nämlich gar nichts. Sie meinte aber, sie habe nur ihren Punkt klarmachen und dem Kleinen nachhaltig etwas beibringen wollen. Außerdem sei es ungefährlich gewesen, sie habe ihn ja festgehalten. Ich habe widersprochen und mich gerade noch davon abhalten können, sie zu beschimpfen. Dann bin ich von der Tribüne verschwunden, ich brauchte ein wenig Abstand. Kerim, dem ich die Geschichte erzählte, meinte, ich solle es mal bei einem der leitenden Personen ansprechen, woraufhin ich Themba die Geschichte erzählte, der auch nicht sehr glücklich darüber war, was wiederum Mark halb mitbekam, woraufhin er nachfragte und ebenfalls nicht amüsiert war. Er meinte, es könne schon sein, dass das hier in der Community so gemacht werde, aber das ist auf jeden Fall nicht, wie wir es machen, wenn wir hier sind. Was mich sehr beruhigt hat. Themba erzählte später noch, Zanne sei wohl notorisch mit derlei Vorkommnissen.

Nach der Geschichte war meine Stimmung erst mal ein wenig gedrückt – auch, und vielleicht sogar noch mehr, da mir das Fotografieren langsam zum Hals raushing, da es ein wenig eintönig wurde und ich den Eindruck hatte, dass es mich vom unbefangenen Umgang mit dem Festival und den Arbeiten und den Kindern ein wenig abhielt. (Und mein Hautleiden von neulich ist wieder da. Zwar nicht so schlimm wie letztes Mal, ist es doch sehr nervig, und ich hoffe, ich bekomme das schnell wieder unter Kontrolle.)
Doch meine Stimmung wurde auch schnell wieder etwas besser. Als die Kinder zwischen halb fünf und fünf gingen, traf ich meine Rastazopf-Freundin wieder, sie wollte ein Foto. Ich stand eine Weile mit Meghan am Ausgang und verabschiedete Kinder, dann ging ich wieder zu den Steel Drums, die wie am Vortag enorm schön waren.


Zum Abendessen gab es irgendetwas; wichtiger war der Nachtisch, Erdbeer-Cupcakes. Zurück an den Showgrounds widmete ich mich mit Danielle zusammen dem riesigen Katzenkopf aus Rohrstock, der später auf den gigantischen Katzenkörper gesetzt werden soll. Gegen elf ging es dann zur ersten Feuerprobe mit Feuer. Meagan, Meghan, Lauren und Zanne wirbelten unter Anleitung von Zac Feuerbecher durch die Luft. Lwando, Luthando und Honey drehten und warfen zusammen mit ihrem Lehrer Themba Feuerstäbe durch die Luft. Themba bewies dabei, dass er wirklich extrem gut darin ist, so schnell und kunstfertig ging er mit diesem an beiden Enden brennenden Stab um.

Danach waren wir eigentlich schon auf dem Weg nach Hause, da entschied ich mich dazu, doch nicht mit Themba weiterzufahren, sondern an den Living Landscapes auszusteigen. Wir hatten hinter dem Mahlzeitenbereich ein schönes Lagerfeuer, ich unterhielt mich gut und lange mit Kerim und mit Venus. Irgendwann ging ich mit Meagan und Meghan zum Gästehaus, Venus und Livie begleiteten uns das kurze Stück über. Um kurz nach zwei war ich im Bett.

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