Mittwoch, 7. September 2016

Tag 39

Sa, 03.09.16
Heute früh war ich nur kurz an den Showgrounds. Call time war um zehn. Nur rund eine halbe Stunde später (nachdem u.a. einer der Haltedrähte in der Halle gerissen und die Katze zu Boden fallen ließ, wir das riesige Tier also eine Weile lang halten mussten, bis der Draht neu gespannt war, und nachdem Dani in der Sonne kollabiert war) zog Jennie mich allerdings aus dem Verkehr und schickte mich zum Küchendienst. Den hatte ich zwar heute Mittag sowieso, aber irgendwie gab es Verwirrung, weil wir am Vorabend nichts besprochen hatten. Jedenfalls wurden Danielle und ich in die Küche geschickt, um Claire mit dem Mittagessen zu helfen.

Ich gab meine Kamera Mariana, die ab dem Zeitpunkt Fotos machte oder das Gerät wem anders gab, ich weiß nicht. In der Halle jedenfalls fand die Generalprobe der morgigen Show statt, inklusive der älteren Kinder, die an den Aufführungen teilnehmen, nicht aber mit den jüngeren, für die ich morgen zuständig sein werde.

Währenddessen schnitten wir in der Küche Gemüse für 50 Personen, rührten eine Eiersoße an, brieten Zwiebel-Lauch-Zucchini-Gemüse, rieben Rote Bete und so weiter. Ab 13:30 Uhr tröpfelten die anderen langsam ein und wir gaben das Essen aus („Pasta or Pap?“).

Als ich irgendwann auch selbst zum Essen kam, fragte mich Mark, der mir schräg gegenüber am Tisch saß, wie das Festival mir bisher zusage. Daraufhin entspann sich auf Nachfragen meinerseits hin eine hochinteressante Unterhaltung darüber, was das Clanwilliam Arts Festival eigentlich tut. Soll heißen, inwiefern es das Leben der Menschen hier beeinflusst, also insbesondere der Kinder, und hoffentlich dazu beiträgt, es zum Besseren zu wandeln. Mark ist da kritisch bzw. vorsichtig. Er meint, so etwas zu vermuten sei anmaßend. Aber die Hoffnung ist es wohl schon irgendwo, und eine zumindest positive Verbindung der Menschen hier in Clanwilliam zu dem Festival kann z.B. davon abgeleitet werden, dass die Kinder alljährlich in großer Zahl kommen, und das ohne Werbung. Mark zufolge werden die Workshops nachmittags nicht ankündigt, überhaupt nicht. Und trotzdem kommen die Kinder. Sie bekommen gesagt, wann die Workshops in den Schulen stattfinden. Der Rest aber, Ort und Zeit der Nachmittags-Workshops z.B., ist einfach offenbar schon zu einer Art Allgemeinwissen in Clanwilliam geworden.
Ansonsten habe man (die Festival-Ausrichter) aber einfach keine Möglichkeit, die tatsächlichen Auswirkungen des Festivals ehrlich und unverfälscht (durch z.B. überpositive Feedbackbögen) zu erforschen. Unsere vier Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Community von Clanwilliam, die früher einmal selbst zu den Workshops gegangen sind – Sisi, Zanne, Emilio, Angelo – sind auf der anderen Seite aber wieder ein Beweis dafür, dass das Festival auch langfristig etwas bewirken kann und nicht „nur“ eine Woche im Jahr für Spaß und Kurzweil bei den Kindern sorgt. Superspannendes Thema, das mich schätzungsweise noch länger beschäftigen wird.

Dann ging es an den Rest Küchendienst, ich habe eine ganze Zeit lang abgespült. Danach ins Rectory, wo gerade eine Neuauflage der Poolparty von neulich stattfand. Ich bin ebenfalls ins kühle (!) Nass gesprungen, war schön.

Um 17 Uhr waren wir wieder zurück an den Showgrounds. Auf dem Feld fand ein Rugby-Spiel statt. Der offizielle Magnet-Fotograf, Mark Wessels, war nun auch anwesend und dokumentierte die letzten Arbeitsschritte. Ich unterhielt mich kurz mit ihm, er hatte meine Fotos auf Facebook gesehen und fand sie gut. Neben Mark war noch ein weiterer Fotograf da. Er stellte sich mir ebenfalls vor, ich habe seinen Namen aber nicht richtig verstanden. Ich glaube, er hat neben den Fotos auch gefilmt, bin aber nicht sicher. Ich habe jedenfalls verkorkste Laternen, die die Kinder besser gemeint als gemacht haben, demontiert, also zur Neuverleimung fertiggemacht; ich habe Papier gereicht; ich habe Laternenstöcke gekappt; und natürlich Fotos gemacht.

Dann gab es Abendessen, Burger, gekrönt mit Kuchen, da Tänzerin Paxton heute Geburtstag hatte (bzw. wird sie mit Vuvu zusammen geführt unter „Jazz Art“, ich habe aber nicht mitbekommen, woher das rührt). Danach ging es zurück in die Halle zum letzten Feinschliff, bei dem ich mich eher nutzlos fühlte und (daher?) ein paar Fotos machte.

Nachdem wir Feierabend gemacht hatten, fuhr ich mit Lavona zurück zu den Landscapes, blieb dann aber noch im Van sitzen, was möglich war, da Lavona noch weitere Leute woanders abliefern und danach zurück zu den Landscapes fahren wollte. Am Ende war ich noch mit Lavona und Zanne in Lavonas Minibus, und Lavona entschied sich dazu, mir eine guided tour durchs nächtliche Clanwilliam zu geben. Viel zu sehen war aber natürlich in der Dunkelheit nicht. Ich fragte daher statt Fragen über einzelne Stationen, an denen wir vorbeifuhren, lieber solche allgemeiner Natur. Dabei erfuhr ich, dass wie in so vielen Städten die alten Apartheid-Strukturen in Clanwilliam im Grunde immer noch herrschen, also städtebauerisch. Die alten Weißenviertel sind noch immer genau das, da Farbige und Schwarze es sich häufig nicht leisten können, dort hinzuziehen. Ins Schwarzenviertel wollte Lavona nicht fahren, da sie die Sprache nicht spricht und sie nicht wisse, wie gefährlich es dort sei. Aber wohl durchaus nicht ungefährlich.
So bewegten wir uns, während wir wieder Richtung Living Landscapes fuhren, thematisch zum Thema race hin, was wir dann auch auf dem Parkplatz noch eine Weile diskutierten. Dabei erfuhr ich zum Beispiel, wer aus unserer Gruppe als schwarz und wer als farbig gilt. Mit der Dunkelheit der Haut hat das dabei zwar auch zu tun, aber nicht nur. Farbige bewegen sich in einem breiten Spektrum; so ist z.B. Clement farbig und nicht schwarz, da er „mischrassig“ ist, nämlich (vermutlich) auch indische Vorfahren hat. Ganz fürchterlich, dieser ganze Rassenkram. Eigentlich soll er überwunden sein hier. Aber ist er dann doch noch lange, lange, lange nicht. Sondern allgegenwärtig. Mir wird dabei regelmäßig leicht schlecht.

An den Living Landscapes habe ich mich eine Weile mit Mariana unterhalten, bevor wir uns ans erneut entfachte Lagerfeuer setzten. Dort war es sehr schön, so bei Feuer, Musik und netten Menschen – so schön, dass ich erst um halb vier im Bett war.

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