Mittwoch, 14. September 2016

Tag 50

Mi, 14.09.16
Eigentlich hatte ich vor, heute Morgen erstmals bei der allmittwöchlichen singing class der Trainees mitzumachen. Margie wollte mich aber stattdessen direkt im Büro haben, damit wir so schnell wie möglich die Crowdfunding-Kampagne online stellen konnten. Margie wollte am Trailer noch eine kleine Kleinigkeit geändert haben, dann schauten wir den Text der Kampagne noch einmal durch.

Und dann, endlich, gingen wir um 12:45 Uhr live. Ich rufe an dieser Stelle natürlich meine gigantische Leserschaft wärmstens dazu auf, doch ebenfalls für einen wunderbaren guten Zweck zu spenden, hier ist der Link zur Kampagne:

Und hier, noch einmal separat, mein Trailer:

Dieser Trailer ist jedoch tatsächlich nicht derjenige, den ich heute Morgen hochgeladen habe. Als ich aus der Mittagspause zurückkam, war nämlich gerade Stellvertreter-Panik im Büro ausgebrochen. Jennie hatte aus Johannesburg die sofortige Absetzung der Kampagne gefordert („Pull the campaign for editing!“), da im Trailer der Text „underserved communities“ (unterversorgte Gemeinden) vorkommt, und sie der Meinung war, dass man das erste dieser Wörter als „undeserved“ (unverdient) fehl-lesen kann. Wir suchten also (nach der anfänglichen „so ein Blödsinn“-Reaktion von Meghan und mir) auf Hochtouren nach einer Lösung, dachten über alternative Schreibweisen („under served“?) oder alternative Ausdrücke nach. Jenny H. stand in ständigem Kontakt mit Jennie, schrieb ihr unsere Lösungsvorschläge und schickte ihr sogar ein Foto von mir, da Jennie sie beauftragt hatte, sicherzustellen, dass sofort, in diesem Moment an einer Lösung gearbeitet wird.

Nachdem Jenny H. Mark (dem das böse Wort Jennie zufolge wohl überhaupt erst aufgefallen war) angerufen hatte, damit er (und nicht nur Panik-Jennie) unseren Vorschlag absegnen konnte, machte ich aus „underserved“ ein „under-resourced“, Meghan nahm das Video aus der Kampagne, ich exportierte den Trailer erneut, lud ihn erneut hoch, Meghan fügte das neue Video ein, und nach 50 Minuten Unverständnis, Panik und Resignation wurde die Katastrophenwarnstufe wieder heruntergefahren und alles war wieder in wunderbester Ordnung. Der ganze Stress hatte natürlich wenig Sinn ergeben, was ich auch äußerte. Jenny H. erwiderte, tja, dafür ist Jennie nun mal der Boss, und: „That's why it's hard to be an employee.“

Wesentlich witziger: Wir haben heute von einer besonderen Art Stalker erfahren, den Magnet bzw. Margie hat. Offenbar gibt es da eine Person, die aus irgendeinem Grund gerne den Magnet-Van kaufen würde. Sehr gerne. Extrem gerne. So gerne, dass sie – und hier beginnt die Geschichte, ganz hervorragend zu werden – Margie einen Kalender gemacht hat. Einen Margie-Pankhurst-Kalender. Mit großartigen, professionellen Margie-Pankhurst-Fotomontagen auf jeder Monatsseite. Von einer fiktiven Firma namens „Minibuses Wanted“, inklusive Logo. Für 2016/17. Margie selbst probiert wohl immer wieder, den Kalender ins Altpapier zu schmeißen, Jenny H. fischt ihn immer wieder heraus. Wir haben uns heute ausgiebig über diesen ganz phänomenalen Kalender gefreut, Meghan hat sogar Tränen gelacht. Toll, einfach toll. Ein großes Lob meinerseits an diese Person.

Da heute Mittwoch war, war außerdem Justin da. Ich traf ihn in der Mittagspause an. Da ich diesmal kein Post-it an meine Tür geklebt hatte mit einem „Danke, du musst heute nicht putzen und aufräumen“, hatte er genau das gemacht. Außerdem hatte er Mausefallen dabei, billige Plastikschnapper, die Theresa für 20 Rand (ca. 1,20 Euro) pro zwei Stück gekauft hatte. Die hat Justin mit Erdnussbutter bestrichen und in der Wohnung verteilt, eine auch in meinem Zimmer. Ich habe ihm noch die lockeren Fußleisten gezeigt, er meinte, er kümmere sich nächste Woche darum. Apropos nächste Woche, Justin machte lustige Laute des Erstaunens, als ich ihm erzählte, ich sei nächste Woche nicht da. Wo gehst du denn hin, Joburg oder so?, nein, Deutschland. Uh! Ho!

Bei Magnet (von wo wir dank einer dreisten Nachfrage Meghans heute 45 Minuten früher gehen durften) habe ich mich ebenfalls „bis in zwei Wochen“ (wenn auch nicht ganz) verabschiedet, zumindest von Jenny H., Beviol, Meghan und zuletzt Nwabisa. Wenn ich dann wieder hier bin, wird der Sommer wahrscheinlich schon richtig ausgebrochen sein. Heute stach die Sonne auf jeden Fall schon ganz ordentlich, ganz anders als gestern noch. Es wird, liebes Südafrika, es wird.

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