Di, 11.10.16
Heute Vormittag habe ich mich nach einer kleinen Teamsitzung (Margie, Jenny H., Meghan, Zuks, ich) wieder ganz dem Crowdfunding gewidmet. Währenddessen gab es im Theater Krach, weil die meisten der Trainees am Freitag nicht geputzt hatten. Margie war ziemlich böse.
Nach der Mittagspause bin ich dazu übergangen, weiter Clanwilliam-Fotos zu sortieren. Ja, ernsthaft. Ich sortiere sie nach Motiv, damit ich ein nicht chronologisch, sondern thematisch geordnetes Video machen kann. Und ich bin heute tatsächlich damit fertig geworden. Die letzte Stunde war dann eher Leerlauf; ich habe eine Weile bei Nwabisas Probe zugeguckt, sonst war nicht mehr viel los. Das Interessanteste war noch, dass ich erfahren habe, dass ich am Donnerstag nicht, wie Margie mir noch am Morgen gesagt hatte, mit Honey zu den Culture Gangs gehen und danach mit Yonela zurück in die Stadt kommen werde. Da Honey am Donnerstag auf eine Beerdigung im Eastern Cape geht, würde ich niemanden haben, der mich ins Township bringt, daher ist aus Sicherheitsgründen das Ganze mindestens verschoben.
Abends habe ich kurz mit Angélique gesprochen. Sie meinte, dass die Uni noch immer zu ist und man immer erst am Tag zuvor erfährt, ob das auch am nächsten Tag noch so ist. Planen lässt sich so also schlecht etwas. Zudem hat sie mich damit erstaunt, dass sie meinte, sie habe 6000 US-Dollar dafür bezahlt, hier zu studieren, und viele andere auch. Das seien wohl die gängigen Studiengebühren. Ob nur für Ausländer oder insgesamt, weiß ich zwar nicht, aber trotzdem, puh. Da bin ich mit meinen knapp 1000 Euro Studiengebühren in Amsterdam für dieses Semester ja ziemlich gut weggekommen. Umso ärgerlicher ist es natürlich für diejenigen, die bezahlt haben, dass jetzt so viel ausfällt und der Semesterabschluss inkl. Credits möglicherweise auf der Kippe steht.
Übrigens: Wie kann es eigentlich sein, dass schon fast Mitte Oktober ist? Mein Jahreszeiten-/Wetter-Empfinden sagt mir eindeutig etwas anderes und ist verwirrt. Es geht zwar noch immer etwas auf und ab hier, temperaturenmäßig, aber meine Vorstellung von Oktober ist trotzdem eindeutig eine andere, irgendwie nordhalbkugeligere.
Mi, 12.10.16
Anstatt singing mit Shaun gab es heute eine Extrasitzung voice mit Sara. Verbracht haben wir sie hauptsächlich mit Rasaboxes, einer Schauspielübungs-Technik, die ich schon von einem Workshop her kenne, den Ulla 2013 (?) in Erlangen gegeben hat. Sara macht allerdings nicht wie Ulla die Richard-Schechner-Variante, sondern die originale indische. Hat sich aber so gut wie nicht unterschieden. Wir sind durch die Boxen gewandert und haben den der jeweiligen Box zugeordneten Begriff (Furcht, Trauer, Liebe, Lachen, Stolz, Erstaunen, Wut, Ekel, Frieden) unseren Körper und unsere Stimme beeinflussen lassen.
Nach der Stunde hat Sara mir noch erzählt, dass der Uni-Shutdown auch für Lehrkräfte nicht unbedingt weniger Mist ist als für Studenten. Das sie akademische Mitarbeiterin sei, heiße außerdem nicht unbedingt, dass sie Uni-Positionen vertritt. Sara meinte, sie komme momentan nicht mehr in ihr Büro; alles sei zum Stillstand gekommen, so z.B. auch die Weiterverarbeitung ihrer kürzlich abgegebenen Doktor-/PhD-Arbeit.
Im Büro machte ich anschließend mit meinem geliebten Crowdfunding weiter. Hier zwei Videos, das erste eines einer gewissermaßen philosophischen Diskussion, die Nwabisa heute Mittag angestoßen hat („If you’re ugly, it’s a choice these days“); das zweite mein Mitschnitt eines Radiointerviews, das Koleka, die Ekhaya-Regisseurin, heute auf unser Drängen hin trotz wenig Zeit zu Werbezwecken gegeben hat.
Nachmittags saß Meghan im Tech-Room und schaute sich Lwandas Probe an; Honey saß neben mir am Tisch und lachte stille Tränen über Youtube-Videos; und ich tippte für Maggie Culture-Gangs-Gedichte ab, also Geschriebenes von den Jugendlichen aus den Townships, in diesem Fall aus Retreat. Das Thema, das sich die Jugendlichen ausgesucht hatten: „Kidnapping of Innocence“. Und dementsprechend hart waren viele der Texte dann auch. Hier zwei Beispiele:
Don't call me Albert, that is the name that was forced onto me.Neither call me Lusindiso, that is the name that was forcefully taken away from me.Rather call me Lesley, that is the name I prefer and sounds much better.But why tho, why can't a newly born baby defend it's self...Being taken away from who you are, growing up in a totally loving home, but wasn't your home.Living a lie of a life for over 18 years, staring me in in the face every day of my life, thinking you a mother, thinking his a father, but no.[...](by Lesley)
Does happiness exist? I have always dreamt of having a mother and a father.I have to look after my 2 siblings after my grandmother died. My grandmother was looking after us because both my parents died in a car accident when I was 7. I wish I could be in school like the other children in my township. The grant money is not enough for the 3 of us. Sometimes I have to do odd jobs like cleaning people's houses for money. My siblings don't understand what is going on, they think that they are the same as their friends. It hurts me when they ask for pocket money and I don't even have money to buy groceries. Our neighbours give us their children's old clothes because we can't afford new clothes.(by Nomsa)
Dann bin ich einmal mehr in meine Rolle als Dramatographer geschlüpft und habe Fotos von der „Kudu“-Probe gemacht, Lwandas Stück, die als Promo-Material benutzt werden sollen. Ich bin ganz glücklich mit dem Ergebnis, hier ein paar der schönsten Bilder:
Abends hat mich Helen gefragt, ob ich mit ihr und Sandro Pizza essen gehen wolle. Ich legte mein Essen, das ich schon herausgeholt hatte, wieder in den Kühlschrank zurück, und wir gingen zu Ferdinando's. Ich hatte eine leckere Pizza mit Salami und zu wenigen Stückchen Ananas.







Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen