Mi, 26.10.16
Heute Morgen habe ich erneut bei Shauns
singing class mitgemacht, bzw. habe ich eher dabeigesessen, während
die Trainees über ein neues Lied für Nwabisas Show diskutiert
haben. Es ging um die richtige Ausführung des steaming, einer
Art Inhalation, die offenbar in der Xhosa-Kultur eine säubernde,
quasi-aber-nicht-wirklich-rituelle Bedeutung hat. Ganz habe ich es nicht
durchblickt. Zuvor hatte Shaun Lwando gedehnt/massiert; die Trainees
waren heute von ihrer gestrigen Tanzklasse enorm muskelkaterig.
Nachdem Shaun mit dem deutlich leidenden Lwando fertig war, ging es
in die nächste, größere Runde; ich durfte der gesichtsverziehenden Meagan die Kniegelenke und den Rücken dehnen.
Von zehn bis viertel vor zwölf hatten
wir mal wieder ein großes staff meeting. Es gab – neben vielen
anderen Themen – eine kurze Nachbesprechung des Culture Gangs
Showcase und einen Ausblick auf die Early-Years-Stücke, die nach Deutschland bzw. Italien gehen werden. Die mich direkt betreffenden Programmpunkte: Ich muss die Übergabe des Ekhaya-Crowdfundings vorbereiten,
ich werde noch das Clanwilliam-Video machen, Jennie wird sich die
Wiki-Seite noch angucken. Außerdem haben wir festgelegt, dass
nächste Woche Mittwoch der offiziell letzte Tag für Meghan und mich
bei Magnet sein wird, inkl. Verabschiedung mit Essen im Büro oder
so, meinte Jennie. Außerdem habe ich mir einen O-Ton von Jennie
notiert: „Everyone at magnet is getting paid, except for me and
Mark, because there is no money.“ Und ausgenommen Meghan und ich, versteht
sich.
Es gibt momentan ein bisschen ein
Problem mit Honey, der seit Sonntag unkontaktierbar verschwunden ist.
Da er einen Schlüssel bei sich hat und den Code der Alarmanlage
kennt, waren Menschen ein wenig besorgt, von der Sorge um Honeys
Wohlergehen ganz abgesehen. Ich schnappte nach dem Meeting die Worte substance abuse, bezogen auf die Townships, auf. Die Auflösung
der Situation kam jedoch nachmittags, als Jenny H. einen Anruf von Honey bekam: Ein
Mitglied seiner Familie sei nach einer Handgreiflichkeit bei einer
Feier festgenommen worden; er, Honey, müsse wohl morgen vor Gericht aussagen.
Irgendwie so in der Art. Ist alles ein bisschen undurchsichtig.
Ich habe weiter crowdgefundet, heute
derart, dass ich die ganzen Theater und Kapstadt-/Südafrika-Portale,
die ich letzte Woche bei Facebook angeschrieben habe, noch einmal
angeschrieben habe. Letzte Woche hat von 36 Angeschriebenen nur einer
reagiert, das Market Theatre (die auch sofort die Crowdfunding-Seite teilten,
woraufhin wir als direkte Reaktion eine neue Spende bekamen). Heute
jedoch, auf mein freundliches „Hey, Nachricht bekommen?, bitte
helft uns doch“ hin, gab es ganze zwölf Rückmeldungen und eine
ganze Reihe von Facebook-Shares. „African time“, meinte Jenny H.,
hier dauert eben alles ein bisschen länger.
Nach der Mittagspause (teils draußen verbracht) sind Themba, Zuks,
Meghan und ich erneut zum Lagerraum in Woodstock gefahren, um, juhu,
die rutschfesten Bodenmatten abzuholen. Themba hatte mir (und sich
selbst) neulich noch versprochen, die werden da jetzt erst mal eine
Weile bleiben, aber nun braucht Nwabisa sie wahrscheinlich für
„23“. Obwohl wir heute an den 30 Grad gekratzt haben, war das
Herumschleppen der superschweren Rollen diesmal gar nicht so schlimm.
Vielleicht, weil Marks Wagen, in den wir die Rollen heute hineinhievten, anders ist als
der Magnet-Van; vielleicht, weil wir uns einfach langsam an die
Dinger gewöhnen.
Ich erfuhr bei der Gelegenheit (d.h. der Fahrt) ein
bisschen mehr über Themba: Er kommt aus Zimbabwe, sein Vater auch,
seine Mutter ist Südafrikanerin. Sein Adoptivvater (oder so) ist
Brite. Themba hat einen südafrikanischen Pass und einen britischen,
keinen von Zimbabwe. Ist alles ein bisschen kompliziert.
Wieder bei Magnet spielten/probierten
die Trainees draußen unter Aufsicht von Nwabisa mit heißem Wasser (steaming!).
Anstatt an einem Tag wie heute kaltes zu benutzen. Theatermenschen,
tztz.
Kurz vor sechs kam Ine nach Hause. Sie
hatte mich heute früh gefragt, ob ich mitwolle zu einem
Protestmarsch vors Parlament, angeblich dem größten in Südafrika
jemals (wobei das zweifelhaft ist). Da ich arbeiten musste, ging das natürlich nicht. Nun also kam Ine gegen sechs zurück,
sichtlich aufgelöst. Sie meinte, sie haben vier Stunden lang in der
prallen Sonne gestanden und friedlich gegen die (Erhöhung der)
Studiengebühren protestiert, Stichwort #feesmustfall. Urplötzlich
habe die Polizei angefangen, mit stun grenades, Blendgranaten, zu
schießen, dann auch mit Gummigeschossen, und zwar auf friedlich
Demonstrierende/in Panik Weglaufende. Ine meinte, angeblich
habe jemand ein Plakat in Brand gesetzt und geworfen, daraufhin sei
das Ganze losgegangen. Die Polizei verhafte wahllos Studierende auf
der Straße, und in den Medien werde nur über angeblich gewalttätige Studenten, nicht aber über Polizeigewalt berichtet. Ine war
körperlich okay, aber sichtlich aufgewühlt von den Erlebnissen des
Tages.
Später hat sie ihre Erfahrungen in
einem Facebook-Post niedergeschrieben, den ich hier festhalten
möchte:
Hier ein Video von den heutigen Ereignissen:
Zum Abschluss noch ein weniger unerfreuliches Thema: Mehrsprachigkeit. Wie schon einmal erwähnt hat Südafrika elf amtliche Landessprachen: Englisch, Afrikaans, isiZulu, Siswati, Süd-Ndebele, Sesotho, Sepedi, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa. Diese Vielsprachigkeit, so realisiere ich langsam, schlägt sich in einer Vielzahl von Dingen nieder.
Zum Abschluss noch ein weniger unerfreuliches Thema: Mehrsprachigkeit. Wie schon einmal erwähnt hat Südafrika elf amtliche Landessprachen: Englisch, Afrikaans, isiZulu, Siswati, Süd-Ndebele, Sesotho, Sepedi, Xitsonga, Setswana, Tshivenda und isiXhosa. Diese Vielsprachigkeit, so realisiere ich langsam, schlägt sich in einer Vielzahl von Dingen nieder.
Zum Beispiel Magnet Theatre: Die
schwarzen Trainees sprechen isiXhosa und/oder isiZulu, die farbigen
Afrikaans, Hauptkommunikationssprache ist Englisch. Letzteres aber
nicht durchgängig, isiXhosa wird ebenfalls andauernd gesprochen. Was
natürlich dazu führt, dass nicht alle immer verstehen, was gesagt wird.
Und wenn – wie z.B. heute – ein isiXhosa-Lied geübt wird,
müssen Meagan und Beviol, die beiden farbigen Trainees, erst einmal
die Worte/Lautfolge lernen. Im Büro wird Englisch gesprochen. Viele
der erarbeiteten Stücke sind zwei- bis dreisprachig, „23“ z.B.
Englisch/isiXhosa/Afrikaans. Mit all dem wird sich einfach abgefunden, man
hat sich damit arrangiert, niemand scheint sich daran zu stören.
Eine interessante Arbeitsweise/-atmosphäre, wenn man mal so drüber
nachdenkt.
Nicht ganz dazu passend, sondern eher im weiteren Zusammenhang mit den Amtssprachen stehend, hier eine ganz
interessante Karte von Wikipedia:
Ein weiteres Beispiel für den Effekt der vielen Sprachen ist der Umgang mit Akzenten.
Wesentlich weniger als z.B. von Kanadiern, Briten oder Amerikanern
wird man von den Menschen in Südafrika auf seinen Akzent im Englischen angesprochen, habe ich
das Gefühl. Auf Herkunft schon, aber nicht im direkten Bezug auf den Akzent.
Auch wird weniger Rücksicht genommen, wenn jemand merkt, dass der Gegenüber einen starken Akzent hat – bzw. vielleicht nicht weniger Rücksicht in dem Sinne. Aber es wird als normal angesehen, da die meisten Menschen hier nicht Muttersprachler sind, und man daher (so meine Theorie) bei jeder zweiten Person (bzw. noch häufiger) auf seine eigene Sprechweise Acht geben, deutlicher oder langsamer reden müsste. Das wird einfach nicht gemacht. Fremdsprachler sind überall; Akzente werden wahrgenommen, aber nicht als Grund angesehen, die eigene Sprechweise zu verändern. Eigentlich ein ganz angenehmer Effekt, finde ich. Das Motto, das ihm zugrundezuliegen scheint, ist: Irgendwie geht’s schon. Lasst uns einfach normal weitermachen. Wir werden uns schon verstehen.
Auch wird weniger Rücksicht genommen, wenn jemand merkt, dass der Gegenüber einen starken Akzent hat – bzw. vielleicht nicht weniger Rücksicht in dem Sinne. Aber es wird als normal angesehen, da die meisten Menschen hier nicht Muttersprachler sind, und man daher (so meine Theorie) bei jeder zweiten Person (bzw. noch häufiger) auf seine eigene Sprechweise Acht geben, deutlicher oder langsamer reden müsste. Das wird einfach nicht gemacht. Fremdsprachler sind überall; Akzente werden wahrgenommen, aber nicht als Grund angesehen, die eigene Sprechweise zu verändern. Eigentlich ein ganz angenehmer Effekt, finde ich. Das Motto, das ihm zugrundezuliegen scheint, ist: Irgendwie geht’s schon. Lasst uns einfach normal weitermachen. Wir werden uns schon verstehen.
Ach, noch eins: Wir haben momentan in
der Wohnung Stromprobleme. Die letzten Tage ist immer mal wieder der
Strom für bis zu einer Stunde ausgefallen, heute Abend dreimal für jeweils ein paar
Minuten (das dritte Mal stand ich gerade unter der Dusche). Ein bisschen nervig. Aber so lange es bei Kurzausfällen
bleibt, nun gut.








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