Samstag, 19. November 2016

Tag 102

Di, 15.11.16
Am Dienstag mussten wir früh aufstehen – Henri und ich sind noch früher aufgestanden. Um halb sechs wollten wir den Sonnenaufgang anschauen, wurden aber ein wenig enttäuscht, da dieser sich hinter einem Berg versteckte. War aber trotzdem ganz schön.

Um halb sieben wurden wir abgeholt, denn um sieben sollte die zweite Safari losgehen. Erneut erzählte Hannes uns allerlei Spannendes und Erstaunliches, so z.B., dass Löwenmännchen 18 bis 21 Stunden pro Tag schlafen. Die Game Lodge hat drei Löwen, zwei Weibchen und ein Männchen, beheimatet in einem von den anderen Tieren abgetrennten Bereich, damit sie diese, teils ziemlich teuer, nicht reißen. Stattdessen werden sie unter anderem mit Kühen gefüttert. Und die Nashörner werden aus Angst vor Großwildjägern rund um die Uhr beobachtet/bewacht.

Um neun verabschiedeten wir uns von Hannes und genossen das Frühstück, das dem Abendessen in nichts nachstand.

Danach gingen wir ins Reptilienhaus, das ich aber nicht besonders interessant fand. Schlangen in Terrarien, von mir aus. Im Garten Schildkröten und Krokodile, okay. Mit dem Rest konnten sie leider nicht mithalten.

Anschließend brachen wir auf und ließen die Game Lodge hinter uns. In George erzählte Benjamin, dass die Regierung einigen Township-Bewohnern kostenlose neue, kleine Häuser zur Verfügung stellt. Ein Thema, bei dem Benjamin sich auf meine Nachfrage hin fast ein wenig in Rage redete. Er meinte, die Regierung gebe Geld für die falschen Sachen aus. Soziale und politische Fragen in Südafrika sind immer spannend und werden heiß diskutiert, selbst dann, wenn es eigentlich zur Jobbeschreibung gehört, dass man immer nett und ausgeglichen sein sollte.

In Wilderness stoppten wir und machten Fotos vom dortigen Strand. In Knysna (sprich: Neisna) hielten wir erneut, die Waterfront fand ich allerdings wenig ansprechend, sondern eher langweilig.

Weiter ging es nach Plettenberg Bay bzw. zur Bloukrans River Bridge, der höchsten Brücke mit dem tiefsten Bungee-Sprung der Welt, sozusagen. Eine optionale, nicht im Preis inbegriffene Station, aber Henri wollte springen, deswegen fuhren wir hin. Henri sprang dann auch, furchtlos von Anfang bis Ende, inkl. betont coolem GoPro-Video, das er dabei drehte.

Kailash wollte eigentlich auch springen, dann doch nicht mehr, dann vielleicht, dann doch, dann stand er am Abgrund und hatte dermaßen Angst, dass er trotz der minutenlangen Überredungsversuche von Henri und den Bungee-Menschen links und rechts von ihm den Sprung abbrach. Das alles wurde live auf einen Fernseher in einen kleinen Shop inkl. Restaurant an der Bungee-Station übertragen. Als Kailash endlich abgebrochen hatte, machten wir anderen uns auf den Weg zurück zum Bus – und verpassten so, dass Kailash dann doch noch sprang.

Da sich deshalb alles noch weiter verzögerte, fuhr Benji uns andere schon einmal zum Tsitsikamma National Park, während Henri und Kailash noch beim Bungee waren. Charlotte und ich liefen die hölzernen Wege und Stufen entlang bis zur sogenannten Suspension Bridge, einer bzw. mehreren langen Hängebrücken. Die Brücken wie auch der Weg dahin an der Küste entlang waren sehr schön und durchaus beeindruckend (und natürlich fotogen). An der Brücke schoss Susanne mit Charlottes Handy ein Foto von Charlotte und mir, bzw. dachte sie, dass sie ein Foto schoss. Tatsächlich machte sie versehentlich stolze 78 Stück.

Zurück am Ausgangspunkt unserer Wanderung erwartete uns eine (ebenfalls sehr fotogene) Dassie-Kolonie (dt.: Klippschliefer oder Klippdachs). Dassies werden hier zwar als Schädlinge angesehen, sind aber enorm goldig.

Während ich auf dem Boden kauerte, um einige der Baby-Dassies zu fotografieren, kam eines davon, verschlafen guckend, nach einer Weile plötzlich auf mich zugelaufen, hielt mich womöglich für seine Mama, und bemerkte erst im letzten Moment seinen Fehler und drehte ab. Die echte Mutter saß am Wegesrand etwas abseits und war gar nicht glücklich über die Situation; sie fauchte Vorbeigehende, die zwischen ihr und ihren Kindern standen bzw. liefen ziemlich böse an.

Dann schauten wir uns den Sonnenuntergang am Meer an. Wundervoll war er; getrübt wurde er nur dadurch, dass erstmals deutlich zu Tage trat, dass ich einen Fleck auf der Linse meines großen Objektivs habe. Ein nerviger schwarzer Punkt, den ich auch die nächsten Tage über nicht wegbekommen sollte. Die Verunreinigung muss irgendwo im Objektiv sitzen, ich komme jedenfalls nicht ohne professionelle Hilfe an ihn ran. Die meisten Fotos vom Rest der Woche haben also einen Fleck. Ärgerlich.

Danach fuhren wir ins Gästehaus in Stormsrivier, wo wir alle zusammen aßen (ich: vegetarisches Curry, von Kailash, dem Inder, gelobt).

Dann fuhr Benjamin mit uns in unser Hostel. Ab dieser zweiten Nacht waren Henri, Kailash und ich nicht mehr zu dritt; fortan schlief die Kanadierin Caroline mit bei uns. Sie fand das Gästehaus zu einsam. Vielleicht, weil sie nach dem Abendessen in der Game Lodge Atemprobleme gehabt hatte (sie behauptete steif und fest, sie habe bestimmt eine Kudu-Allergie) und ihr das Alleine-Schlafen unheimlich war? Wer weiß.
Wir hatten jedenfalls ein Sechsbettzimmer für uns zu viert, ein einzelnes Hüttchen neben dem Hostel, das wir dem großen, bereits teilbelegten Zimmer im Hostel vorzogen. Wir hatten sogar unser eigenes Klo plus Dusche – an der freien Luft. Mit Sägespäne-Spülung. War witzig. (Die Fotos sind vom nächsten Morgen.)

Um elf ging das Licht aus, erneut hatten wir einen langen Tag hinter uns.

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