Do, 17.11.16
Am Donnerstag gab es Regen. Das aber
war nicht schlimm, da wir den Großteil des Tages sowieso im Auto
verbrachten. Mit Addo hatten wir den östlichsten Punkt unserer Reise
erreicht, von nun an ging es wieder zurück nach Westen Richtung
Kapstadt.
Aus den Federn: 06:30 Uhr; Frühstück:
07:45 Uhr; los: 08:20 Uhr. Während Benjamin mit Caroline die anderen
aus dem Gästehaus abholte, besuchte ich in Jeffreys Bay mit Henri
und Kailash zusammen kurz einen Kodak-Laden. Die Kodak-Menschen
konnten mir mit meiner Objektiv-Verunreinigung zwar leider nicht
helfen, aber ein paar Fotos ausdrucken konnte ich dort.
Durch den Regen fuhren wir nach
Plettenberg Bay, wo es auch regnete, was Charlotte und mich aber
nicht davon abhielt, ein wenig über den Strand zu spazieren, während
die anderen in der Stadt blieben und eine knappe Stunde lang shoppten
(oder so). Ging aber leider nicht lang gut, die Sache mit dem Strand:
Der Regen wurde stärker – was aber einige Verrückte ihre
sportliche Aktivitäten nicht unterbrechen ließ.
Als nächstes fuhren wir erneut nach
Knysna, diesmal allerdings auf die über dem Ort aufragenden Berge,
die sogenannten Knysna Heads. Dort war es schön, zumal wir den Regen
hinter uns gelassen hatten.
Ich hatte am Strand schon Fish &
Chips gegessen, die anderen wollten aber nun etwas zu Mittag essen.
In der Innenstadt von Knysna fand sich jedoch nicht wirklich etwas,
weswegen Benjamin einige von uns noch woanders hinfuhr. Dort setzten
wir uns in ein schickes Café, ich bestellte ein Stück Kuchen, Remko
ebenso, Susanne und Betty aßen ein Sandwich-Ciabatta. Charlotte
holte sich nebenan eine Pizza und setzte sich dann zum Essen vor die
Tür. Da wir dem Kellner gesagt hatten, dass noch eine fünfte Person
kommen werde, wurde er auf Charlotte aufmerksam und bat sie trotz
ihrer Fremdpizza hinein: Ihre Familie warte drinnen auf sie. Oma
Betty, Opa Remko, Mama Susanne, Sohn Andreas, Tochter Charlotte? Eine
verblüffend internationale Familie.
Und weiter ging es, durch George
hindurch, über den Outeniqua Pass, durch die Halbwüste Great Karoo,
nach Oudtshoorn.
In Oudtshoorn stand ein Besuch auf
einer Straußenfarm auf dem Programm: unsere am wenigsten schöne
Aktivität, wie sich herausstellen sollte.
Nach einer mehr oder minder
informativen Straußen-Info-Einführung in wenig gemütlichem Setting
ging es in den Hof hinaus. Sich von einem Strauß etwas rabiat Futter
von der Hand picken zu lassen, das war noch der witzigste Teil der Tour.
Der junge Mann, der die Führung gab, leitete uns weiter nach hinten,
wo etwa ein Dutzend Strauße darauf warteten, von den Besuchern der
Farm geritten zu werden. Oder vielmehr eben nicht.
Henri und Kailash unterschritten das
Maximalgewicht für einen Straußenritt und probierten es aus; ich
ebenfalls. Worauf ich im Nachhinein nicht wirklich stolz bin. Nicht
nur behandelten die Straußenfarm-Arbeiter die Tiere reichlich
unsanft. Auch zeigten die Vögel deutliche, nun ja,
Abnutzungserscheinungen: Die Federn auf ihren Rücken waren
großflächig weg, herausgerissen, die kahlen Stellen bei
einigen Tieren von einem Stück Stoff bedeckt. Die Strauße machten
keinen gesunden, geschweige denn einen glücklichen Eindruck. Das
alles sah und realisierte ich aber erst in aller Deutlichkeit, als
ich aufsattelte (ohne Sattel, versteht sich) und zum Festhalten ins
Gefieder griff. Fünf, zehn Sekunden lang rannte der Vogel mit mir
auf seinem Rücken durchs Gehege, dann wurde mir der Befehl zum
Abspringen gegeben. Ich hatte mich schon seit dem Aufsteigen alles andere als wohl gefühlt, Spaß machte der Ritt mir nicht.
Wer wollte, durfte danach noch auf
Straußeneiern stehen, dann wurden wir auch schon in den Shop
komplimentiert.
Im Shop unterhielt ich mich mit Henri und Charlotte; wir kamen
gemeinsam zu dem Schluss, dass die Tour wesentlich zu kurz gewesen
war, der Tourguide ziemlich durch das Programm hindurchgehetzt sei.
Er verabschiedete sich dann auch, während wir noch drinnen waren, in
den Feierabend. Auch meine „unethische Behandlung der
Tiere“-Gedanken teilten die anderen.
Wir erzählten Benjamin von unseren
Bedenken, der sie bestürzt zur Kenntnis nahm. Zumindest das
Durchhetzen. Die Tour koste pro Person 280 Rand, meinte er, also ca.
18 Euro. Zu viel für das, was wir geboten bekommen hatten, meinten wir.
Benjamin ließ daraufhin den Manager der Farm antreten, der uns versprach, seinen Mitarbeiter am nächsten Morgen zu maßregeln, und sich für dessen Benehmen entschuldigte. Charlotte fragte frech, ob sie einen Stift aus dem Shop haben könne. Der Manager guckte recht bedröppelt, ließ sich dann aber nach deutlich sichtbarem innerem Kampf darauf ein. Den teuren Stift, den Charlotte haben wollte, bekam sie nicht, aber einen günstigeren. Insgesamt gingen drei oder vier Stifte kostenlos über die Ladentheke, außerdem ein kleines Pflanzen-Anbau-Set für Susanne. Ich wollte nichts haben, mir war das Ganze zuwider. Danach schenkte der Manager Benjamin, seinem guten, treuen Kontakt, noch eine Flasche Wein; da wurde es mir dann wirklich zu viel, ich setzte mich nach draußen.
Benjamin ließ daraufhin den Manager der Farm antreten, der uns versprach, seinen Mitarbeiter am nächsten Morgen zu maßregeln, und sich für dessen Benehmen entschuldigte. Charlotte fragte frech, ob sie einen Stift aus dem Shop haben könne. Der Manager guckte recht bedröppelt, ließ sich dann aber nach deutlich sichtbarem innerem Kampf darauf ein. Den teuren Stift, den Charlotte haben wollte, bekam sie nicht, aber einen günstigeren. Insgesamt gingen drei oder vier Stifte kostenlos über die Ladentheke, außerdem ein kleines Pflanzen-Anbau-Set für Susanne. Ich wollte nichts haben, mir war das Ganze zuwider. Danach schenkte der Manager Benjamin, seinem guten, treuen Kontakt, noch eine Flasche Wein; da wurde es mir dann wirklich zu viel, ich setzte mich nach draußen.
Die Tiere betreffend fiel kein Wort
gegenüber dem Manager oder gar von ihm. Strauße sind, so viel habe
ich gelernt, eindeutig keine Reittiere. Aber inwiefern eine Ansprache
dessen irgendetwas geändert hätte, und sei es nur als
Gedankenanstoß, ist natürlich fraglich. Hier herrscht offenbar ein
anderes Verständnis von Tieren als fühlenden Wesen und vom Tierwohl
als in Westeuropa. Für die Arbeiter auf der Farm sind die Strauße große, dumme Viecher, mit denen sie Geld machen können. In Deutschland wäre so eine Farm nie und nimmer
erlaubt. Aber hier, hm. Und die Touristen scheren sich wohl großteils
nicht darum. Gleichwohl entschuldigt das alles die ganze Geschichte
natürlich nicht. Die Stimmung in unserer Reisegruppe nach dem
Straußenfarm-Besuch war eher bedrückt.
Zum Abendessen gab es dann,
Überraschung, ein Straußen-Braai (ja, trotzdem lecker). Zuvor hatten wir in unserem
Zimmer im Hostel Mirjam kennengelernt, eine 28-jährige Schweizerin,
die für zwei, drei Wochen allein durch Südafrika reist. Wir vier
Backpacker unterhielten uns gut mit ihr, sie setzte sich zum
Abendessen zu uns allen. Irgendwann fuhr Benji die Gästehäusler weg.
Henri, Kailash, Mirjam und ich setzten uns ans Feuer und ließen den
Abend gemütlich ausklingen.
Gegen elf ging ich duschen und dann ins
Bett, letzteres ebenso wie Mirjam, da sie am nächsten Morgen um
04:30 Uhr aufstehen wollte, um Erdmännchen angucken zu gehen. Henri
und Kailash kamen um halb eins nach, wie ich mir am nächsten Morgen
erzählen ließ. Zudem erzählte Henri, dass der reichlich
angetrunkene Kailash der schlafenden Mirjam bei der Gelegenheit einen
Kuss auf die Wange gedrückt habe, inklusive „good
night“-Wunsch, und sie so aufgeweckt habe. Henri und ich entschuldigten uns am nächsten Morgen
beide für Kailash. Er sich selbst leider nicht. Mirjam, die die nächtliche Episode zwar kopfschüttelnd, aber äußerlich recht gelassen hinnahm, meinte auf meine Nachfrage
hin, dass ihr so etwas zum Glück noch nie vorher passiert sei.
Immerhin. Trotzdem. Geht gar nicht.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen