Sonntag, 6. November 2016

Tag 92

Sa, 05.11.16
Zunächst einmal: Wir haben das Stones gestern Abend zu früh verlassen. Ine erzählte heute Morgen, es habe noch richtig Drama gegeben. Es sei nämlich noch ein Date von ihr gekommen, das momentan interessanteste, und sei wegen des anderen Typen sauer geworden. Außerdem habe er, der Interessante, ihr einen Kasten Bier von seiner Arbeit mitgebracht, den er ihr schenken wollte, was aber Ine wiederum nicht gut fand, nicht annehmen wollte, und deshalb ihrerseits sauer wurde. Eindeutig zu früh gegangen.

Gegen halb zwei bin ich heute auf einen Ruf Nwabisas hin zu Magnet gegangen. Sie probte dort mit den Trainees an „23“ und bat mich, a) ihr beim Sound zu helfen und b) zuzugucken. Nach einer Weile Szenenprobe machte sie einen Durchlauf, der nicht schlecht lief, dem es aber eindeutig an Energie fehlte. Nach dem Durchlauf richtete Zizipho, die den Hauptcharakter (d.h. die einzige durchgehende Rolle) spielt, das Wort an die anderen Trainees. Sie kritisierte, niemand sei konzentriert gewesen, sie habe Leute auf der Bühne lachen und rumblödeln gesehen, und sie könne so nicht richtig arbeiten. Ihr Vorwurf war zwar etwas verallgemeinernd formuliert, in der Sache aber richtig; ich hatte ihn in der vorangehenden Szenenprobe den Trainees so ähnlich auch schon gesagt. Leider wurde Zizipho ein wenig zu laut, und auch die Verallgemeinerung half nicht. Plötzlich brach die Hölle los; ich probierte noch zu schlichten, erfolglos. Insbesondere Natasha wehrte sich massiv gegen die Vorwürfe, sie und Zizipho standen sich bald gegenüber und schrien sich an, Natasha meinte, Zizipho müsse lernen, dass man so mit anderen Menschen nicht sprechen könne. Ich probierte zu vermitteln, zu schlichten, gab Zizipho weitestgehend recht. Ich hatte allerdings keine Lust, in die Lautstärke einzustimmen, und hatte daher nur bedingt eine Chance gegen die erhitzten Gemüter. Als Zizipho Richtung Toilette stürmte, fing ich sie ab und beruhigte sie, die die Tränen nicht mehr zurückhalten konnte, ein wenig. Später redete ich draußen noch einmal eine Weile mit ihr. Sie meinte, die anderen könnte nicht damit umgehen, dass sie die „Hauptrolle“ habe. Als ich Nwabisa das später erzählte, meinte diese, jein, hauptsächlich seien die Trainees einfach so, also so unkonzentriert und unbeherrschbar. Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit, vermute ich.

Nachdem die Trainees geputzt hatten (auch hierbei gab es – wie immer – Streit), schloss Nwabisa das Theater ab und ging mit mir zur Nachbesprechung zu mir. Im Hinterhof gingen wir meine Notizen durch, dann bastelten wir noch ein wenig an der Musik herum. Nach rund anderthalb Stunden machte Nwabisa sich gegen halb sechs auf den Weg nach Hause. Sie meinte, sie bezweifle, dass sie bis zur Premiere am Donnerstag zufrieden sein werde, aber ich glaube, dass das Projekt auf einem sehr guten Weg ist. Insgesamt war das heute auf jeden Fall eine sehr produktive Sitzung, die wir da hatten.

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