Sa, 05.11.16
Zunächst einmal: Wir haben das Stones
gestern Abend zu früh verlassen. Ine erzählte heute Morgen, es habe
noch richtig Drama gegeben. Es sei nämlich noch ein Date von ihr
gekommen, das momentan interessanteste, und sei wegen des anderen
Typen sauer geworden. Außerdem habe er, der Interessante, ihr einen
Kasten Bier von seiner Arbeit mitgebracht, den er ihr schenken
wollte, was aber Ine wiederum nicht gut fand, nicht annehmen wollte,
und deshalb ihrerseits sauer wurde. Eindeutig zu früh gegangen.
Gegen halb zwei bin ich heute auf einen Ruf
Nwabisas hin zu Magnet gegangen. Sie probte dort mit den Trainees an
„23“ und bat mich, a) ihr beim Sound zu helfen und b) zuzugucken.
Nach einer Weile Szenenprobe machte sie einen Durchlauf, der nicht
schlecht lief, dem es aber eindeutig an Energie fehlte. Nach dem
Durchlauf richtete Zizipho, die den Hauptcharakter (d.h. die einzige
durchgehende Rolle) spielt, das Wort an die anderen Trainees. Sie
kritisierte, niemand sei konzentriert gewesen, sie habe Leute auf der
Bühne lachen und rumblödeln gesehen, und sie könne so nicht
richtig arbeiten. Ihr Vorwurf war zwar etwas verallgemeinernd
formuliert, in der Sache aber richtig; ich hatte ihn in der vorangehenden Szenenprobe den Trainees so ähnlich auch schon gesagt. Leider wurde Zizipho ein
wenig zu laut, und auch die Verallgemeinerung half nicht. Plötzlich
brach die Hölle los; ich probierte noch zu schlichten, erfolglos.
Insbesondere Natasha wehrte sich
massiv gegen die Vorwürfe, sie und Zizipho standen sich bald
gegenüber und schrien sich an, Natasha meinte, Zizipho müsse
lernen, dass man so mit anderen Menschen nicht sprechen könne. Ich
probierte zu vermitteln, zu schlichten, gab Zizipho weitestgehend recht. Ich hatte allerdings keine Lust, in die Lautstärke einzustimmen, und hatte daher nur bedingt eine Chance gegen
die erhitzten Gemüter. Als Zizipho Richtung Toilette stürmte, fing ich sie ab und beruhigte sie, die die Tränen nicht mehr
zurückhalten konnte, ein wenig. Später redete ich draußen noch
einmal eine Weile mit ihr. Sie meinte, die anderen könnte nicht
damit umgehen, dass sie die „Hauptrolle“ habe. Als ich Nwabisa
das später erzählte, meinte diese, jein, hauptsächlich seien die
Trainees einfach so, also so unkonzentriert und unbeherrschbar. Irgendwo
dazwischen liegt die Wahrheit, vermute ich.
Nachdem die Trainees geputzt hatten
(auch hierbei gab es – wie immer – Streit), schloss Nwabisa das
Theater ab und ging mit mir zur Nachbesprechung zu mir. Im Hinterhof
gingen wir meine Notizen durch, dann bastelten wir noch ein wenig an
der Musik herum. Nach rund anderthalb Stunden machte Nwabisa sich
gegen halb sechs auf den Weg nach Hause. Sie meinte, sie bezweifle, dass sie bis
zur Premiere am Donnerstag zufrieden sein werde, aber ich glaube, dass
das Projekt auf einem sehr guten Weg ist. Insgesamt war das heute auf jeden
Fall eine sehr produktive Sitzung, die wir da hatten.

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