Dienstag, 8. November 2016

Tag 95

Di, 08.11.16
Den heutigen, mal wieder sehr windigen Tag habe ich hauptsächlich bei Magnet verbracht. Um 10:30 Uhr war ich dort, habe die Bilder von gestern sortiert und gleich auf den Server geladen. Ganz witzig ist, dass jetzt, wo ich nicht mehr offiziell bei Magnet bin, jedes Mal, wenn ich trotzdem auftauche, das Hallo deutlich größer ist als es bisher. Nach dem Motto „Ohh, welch Überraschung, ich wusste gar nicht, dass du noch hier bist, wir haben uns ja ewig schon nicht mehr, also naja, gestern Abend, aber hey, toll, dich zu sehen...!“ So ungefähr, zumindest vom Gefühl her.
Wie gestern bereits angekündigt, habe ich heute mein Magnet-Buch mitgenommen und signieren lassen. Und zwar habe ich mir zum Ziel gesetzt, von allen bei Magnet eine Widmung oder zumindest eine Unterschrift zu bekommen. Jennie, Margie, Themba, Jenny H., Maggie, Yonela, Zukisani und Nwabisa habe ich schon. Fehlen noch die acht Trainees, Lwanda, Honey und natürlich Mark. Vielleicht auch noch Craig und Mark Wessels? Mal schauen, ob ich noch alle zu fassen kriege.

Von Maggie habe ich heute die Geschichte gehört, wieso sie Maggie Fernando heißt, bzw. wieso sie eigentlich nicht Maggie, sondern Dilma Irgendeinnachname heißt. Sie kommt aus Angola, ein Elternteil scheint zudem aus Portugal zu kommen. Als die Familie 1997 nach Südafrika gekommen ist, hat irgendeine Behörde aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund verlangt, dass Ankommende entweder ihr Geburtsdatum oder einen Teil ihres Namens ändern. Maggies Mutter habe sich dafür entschieden, alle Namen komplett auszutauschen. So wurde aus Dilma Maggie. Eine Rückänderung heute wäre theoretisch möglich, meinte Maggie, aber äußert kompliziert und kostspielig. Daher bleibt sie offiziell Maggie. Aus irgendeinem nicht nachvollziehbaren Grund.

Als ich heute meine Handyvideos der letzten Zeit auf die Magnet-Videofestplatte spielte, habe ich die Gelegenheit genutzt, mir Aufnahmen von diversen Magnet-Produktionen zu stibitzen. Ich habe also ordentlich was zu gucken jetzt.
Hier eines meiner Videos von heute, Meagan und Luthando beim Proben in der Lobby, unter der Aufsicht von Jennie:


Kurz vor der Mittagspause bat Nwabisa mich, Zizipho mit ihrem Monolog zu helfen. Ich schlüpfte also kurzzeitig in die Rolle eines Regisseurs und probte draußen 15, 20 Minuten lang mit Zizipho. Und das gar nicht mal so unerfolgreich, hatte ich das Gefühl. War auf jeden Fall eine schöne Abwechslung zu dem, was ich bisher so gemacht habe hier.

Danach wollte ich eigentlich nach Hause gehen und war eigentlich auch schon dabei, als ich es mir doch noch mal anders überlegte und blieb. Ich setzte mich in den Zuschauerraum und guckte mir den kurz darauf beginnenden ersten Durchlauf im Kostüm an. Interessant dabei: Mark Wessels, der langjährige Magnet-Fotograf, war auch da, und schoss Bilder (ja, ich bin ein bisschen neidisch, dass er die Kostümprobe bekommt und bei mir die Kostüme noch nicht da waren, pff). Sein Fotografier-Stil unterscheidet sich gar nicht so sehr von meinem, stellte ich dabei fest. Nur, dass er noch ein wenig aggressiver in die Szenen reinspringt und noch näher am Geschehen fotografiert als ich (zumeist); und dass er noch viel mehr Bilder macht als ich, nämlich immer drei bis sechs auf einmal, klickklickklickklick, Finger auf dem Auslöser, Reihenaufnahme. Ersteres werde ich mir vielleicht abgucken, zweiteres ist sicher hilfreich, aber auch noch mal viel mehr Aufwand beim Sortieren, daher weiß ich noch nicht, ob ich mir das auch geben wollen würde.


Nach dem Durchlauf kam Mark Wessels zu Nwabisa und Jennie (und mir, der ich mich dazusetzte) und hielt eine kurze, sehr emotionale Rede. Er erzählte, dass sein Equipment beschädigt und er bedroht worden sei, von Studenten und von der Polizei, neulich, als er bei den Protesten mit auf der Straße war und Fotos machte. Mit tränenangereicherter Stimme erzählte er, dass er sich Sorgen um seine Kinder mache, wenn er wegen des kaputten Equipments womöglich nicht mehr so für sie sorgen könne wie bisher; seine Versicherung wolle nicht zahlen. Er sei zutiefst bewegt von dem, was er heute auf der Bühne gesehen habe, die Geschichte einer Geschichtenerzählerin inmitten der Proteste. Auch er wolle mit seinen Bildern Geschichten, ja, die Wahrheit erzählen. Und daher stehe er auch so sehr hinter Magnet Theatre, die Menschen hier tun und erzählen ebenfalls Dinge, Geschichten, die wahr sind, die wichtig sind. Und es sei ihm wichtig, das Nwabisa zu sagen. Danke.

Die folgende Nachbesprechung des Durchlaufs, geleitet von Jennie, war weniger emotionsgeladen. Die Inszenierung sei auf dem richtigen Weg, hier und da gebe es noch Verbesserungsbedarf, Details wurden kritisiert und besprochen. Themba hatte technisch ein paar Sachen zu sagen, Lichtkram hauptsächlich. Und nach der allgemeinen Sitzung sprach ich mit Nwabisa noch die Notizen durch, die ich mir gemacht hatte. Morgen um eins werde ich auf Bitte von Nwabisa hin wieder zu Magnet gehen und vermutlich beim Proben der diversen Monologe helfen. Am Abend ist dann Preview, und Donnerstag Premiere, opening night. „23 Years, a Month and 7 Days“ hat sich sehr gut entwickelt, jetzt fehlt nur noch der Feinschliff.

Nach der Arbeit ging ich einkaufen. Bei Pick n Pay hängt auf einmal überall Lametta herum, ein paar Mitarbeiter waren dabei, Tannenbaumformen aus Pappe aufzuhängen. Ich habe mich wahrscheinlich noch nie so wenig nach Weihnachten gefühlt wie hier momentan, da ändern auch Schneenachrichten und -bilder von zu Hause nicht viel.
Auf dem Rückweg traf ich mal wieder meinen Freund Innocence. Pick n Pay? Natürlich, was sonst. Ob ich in der Stadt wohne? Nee, direkt hier, Station Rd. Ach, er wohne in der Parallelstraße. Ich erzählte Innocence, dass ich mit Ine zusammenwohne. „Ine?“, ja, blond, Norwegen, „Yes, she's my friend! She's my friend!“ Sie spricht doch Französisch, oder? Ich glaube, ja. Und du? Äh, mon français est, äh, – hohoho!, darauf einen Handschlag. Wo genau wir wohnen? Er könne ja Samstag mal vorbeikommen, dann können wir uns alle zusammen mal unterhalten. Hohoho!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen