Donnerstag, 10. November 2016

Tag 96

Mi, 09.11.16
Um kurz nach sieben heute Morgen wachte ich auf, noch vor dem Weckerklingeln, vielleicht vom Wind, vielleicht von einer Vorahnung. Ich schaute mir den Bis-dahin-Ergebnisstand der US-Präsidentschaftswahl an. Und der Rest ist jetzt schon Geschichte. Ich verbrachte ein bis zwei Stunden mit Ine im Wohnzimmer, beide nicht wahrhaben wollend, was da gestern/heute geschehen war, während aus dem Rest der Welt nach und nach mehr und mehr Reaktionen eintrafen, die unseren sehr ähnelten. Angélique war ebenso fassungslos wie Ine und ich (wenn auch nicht so lang so stark). Als Justin kam, fühlte er sich in der depressiven Stimmung im Wohnzimmer sichtbar nicht wohl; er fragte uns recht bald, was denn genau passiert und wieso das eigentlich so schlimm sei, was wir ihm natürlich gern beantworteten.

Um eins ging ich zu Magnet und bastelte mit Zuks an einem Poster/Flyer für „Kudu“ herum:

Den folgenden Durchlauf von „23“ schaute ich mir nicht an, sondern ging nach Hause. Dort hielt ich es, immer wieder mal ob des gigantischen Scherzes der Weltgeschichte in verzweifeltes Gelächter ausbrechend, bis halb sieben aus. Dann ging ich wieder zu Magnet, wo um halb acht eine Preview-Vorstellung von „23“ für eigens angekarrte Besucherinnen (aus einem Wohnheim für missbrauchte Frauen und Kinder oder so ähnlich, ungewöhnliches/schwieriges Publikum) stattfinden sollte.
Bevor die Aufführung losging, hatte ich jedoch noch eine längere intensive Diskussion mit Lwanda. Über? Donald Trump. Lwanda meinte, er finde Trump super, er möge Menschen wie ihn. Weil er brutal ehrlich sei und so das ganze im Verborgenen Brodelnde in der Gesellschaft aufgedeckt habe. Nur so könne jenes bekämpft werden. Lwanda plädierte für eine Revolution – wenn auch mehr in Südafrika, in dem er sich einen ähnlichen Politiker wünsche, mehr polternder Trump, weniger stillschweigender Jacob Zuma. Ich hatte seinem Argumentationsmuster einiges entgegenzusetzen, unter anderem fanden einige Drittes-Reich-Bezüge ihren Weg in unser Gespräch. Am Ende waren wir sicher nicht einer Meinung, aber wir verstanden einander. Eine gute, fruchtbare Diskussion also.

Nwabisa hatte mich gebeten, meine Kamera mitzunehmen, um ein paar Bilder des Publikums zu schießen, zu Promozwecken. Daher hier eine Auswahl an Bildern – natürlich nicht nur des Publikums. Außerdem zwei kurze Videoclips von der Aufführung:



Gegen halb zehn fuhr Margie erst Nwabisa, dann mich nach Hause. Morgen geht es wieder zu Magnet, Premiere, und davor werde ich nachmittags ein wenig mit Zizipho proben, haben wir ausgemacht. Es wird spannend – aber die Preview-Vorstellung heute lief schon sehr gut, „23 Days, a Month and 7 Days“ ist eine echt tolle Inszenierung geworden.

Ach ja: Ich habe heute mein Buch weiter signieren lassen. Ich habe mittlerweile die ganze (mir bekannte) Magnet-Familie versammelt, mit Ausnahme von Meagan und Mark Wessels. Aber zumindest erstere erwische ich auf jeden Fall morgen.

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